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HWG sichert sich „Filet-Stücke“ der ehemaligen Britenwohnungen – Privatleute gucken in die Röhre

... und raus bist du!

Hameln. Es hätte so schön sein können: Das eigene kleine Häuschen, mit Blick auf den Wald, die Freunde nebenan – so sah der Traum von Christopher Beck aus. Der 31-Jährige hat den Abzug der Briten über die Dewezet genau verfolgt und wähnte sich schon im neuen Heim am Thomaweg, das die britischen Soldatenfamilien zurückgelassen haben. Doch nun freut sich ein anderer: die Hamelner Wohnungsbau-Gesellschaft (HWG). Sie will die vier Doppelhaushälften im Thomaweg 1 bis 7 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), die die ehemaligen Briten-Immobilien vermarktet, kaufen. Der Vertrag soll in Kürze beurkundet werden.

veröffentlicht am 24.10.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 18:00 Uhr

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Dass die HWG als erste zum Zug kam, hat sie einem sogenannten Erstzugriffsrecht zu verdanken: Der Bund hatte den Gemeinden, die vom Abzug der Streitkräfte betroffen sind, eine Vorrangstellung eingeräumt. Und da Hauptanteilseigner der HWG die Stadtwerke Hameln, eine „Tochter“ der Stadt, sind, gilt diese Regelung auch für die Genossenschaft. Voraussetzung: Es muss der Verkehrswert gezahlt werden. Wie viel das im Fall Thomaweg genau war, ist laut HWG vertraulich.

Die Regelung, Gemeinden einen Vorsprung einzuräumen, ist eigentlich dafür gedacht, in Städten, in denen der Wohnungsmarkt stark angespannt ist, bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Die Militärgebäude sollen nicht Preisspekulanten zum Opfer fallen, sondern es sollen auch „städtebauliche und wohnungspolitische“ Ziele berücksichtigt werden. Die Gefahr, dass bezahlbare Wohnungen für Familien und Ältere rar werden, hält sich in Hameln zwar in Grenzen, die Regelung gilt aber trotzdem. „Die werden hinter verschlossenen Türen verschachert“, kommentiert Beck das Vorgehen. Dabei gebe es genügend private Interessenten für die Häuser – allein in seinem Bekanntenkreis seien es mehrere Familien. „Alteingesessene Häuser können wir nicht zahlen“, sagt Beck. Die HWG aber möchte die Häuser nicht weiterverkaufen. „Man soll zwar nie nie sagen“, schränkt Geschäftsführer Christian Mattern ein, aber der Plan sei schon, die Gebäude langfristig im Bestand zu halten. Die Miete soll „im mittleren Segment“ liegen. Als Haupt-Zielgruppe sieht Mattern vor allem jüngere Paare und Familien, da die Gebäude nicht barrierefrei sind. Die HWG habe in ihrem derzeitigen Bestand noch kein vergleichbares Angebot.

Becks Ärger bezieht sich allerdings nicht allein darauf, dass er sein Traumhaus nun nicht kaufen kann. Es ist auch die Kommunikation mit der BIMA: Die erste Antwort auf seine Anfrage Anfang Juli habe nämlich noch ganz anders geklungen. Man bedankte sich für das Interesse an den Häusern, kündigte ein öffentliches Bieterverfahren an und versicherte, dass die Mailschreiber nun auf die Interessentenliste gesetzt würden. Doch offenbar war dies nur eine standardisierte Antwort – mehrere Interessenten bekamen eine gleichlautende Mail zugeschickt. Auf Becks Nachfrage vor wenigen Wochen folgte eine individuelle Antwort – und mit ihr die Ernüchterung: Alles schon unter Dach und Fach. Die BIMA sei angewiesen worden, die Häuser im Thomaweg an die HWG zu verkaufen.

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  • Hätte das Haus im Thomaweg 5 gerne gekauft: Christopher Beck. Wal/Stadt Hameln

„Das sind die besten Objekte“, sagt Beck – er habe mit seiner Frau gemeinsam recherchiert und habe viele Häuser abgefahren. Die Grundstücke seien schön und hätten durch die Nähe zum Wald eine enorme Wohnqualität. Doch auch das weiß die Stadt – und ergreift die Chance, sich die „Filetstücke“ zu sichern.

Ein öffentliches

Gebotsverfahren steht noch aus

Welche Grundstücke am Ende für interessierte Hamelner übrig bleiben, ist unklar. Ein öffentliches Gebotsverfahren steht noch aus. Beck wundert, dass man sich damit so viel Zeit lässt, steht doch der Winter vor der Tür. „Den Immobilien wird es sicherlich eher schaden, wenn diese unbeheizt durch den Winter hindurch leerstehen“, so seine Befürchtung. Doch die Verhandlungen laufen noch: Man sei mit der BIMA noch über andere Häuser im Gespräch, verrät HWG-Chef Mattern – welche es genau sind, hingegen nicht. Laut Stadtbaurat Hermann Aden hat die Stadt für etwa 130 Objekte das Zugriffsrecht – etwa die Hälfte davon sei überhaupt „interessant“.

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