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Vermarktung der Briten-Grundstücke könnte Umzugskarussell für Schulen und Behörden anstoßen

Linsingen-Kaserne lockt Interessenten

Hameln. Was nach Abzug der Briten aus der Linsingen-Kaserne wird, zeichnet sich erst vage am Horizont ab. Nur eines scheint sicher: Ein Ladenhüter wird die Fläche nicht. Würden alle Interessenten, die mit dem Standort liebäugeln, ihre Ideen in die Tat umsetzen, wäre das Areal schon heute verplant.

veröffentlicht am 20.07.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.08.2013 um 15:44 Uhr

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Autor:

Frank Werner

Interessenten? Vielleicht ist das zu viel gesagt. Denn die entscheidende Frage wurde bislang noch nicht gestellt. Unklar ist, zu welchen Konditionen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das Gelände veräußert oder verpachtet. An der Preisfrage könnten am Ende alle Sandkastenspiele scheitern.

Wer ein Auge auf die Kaserne geworfen hat, darüber hüllt sich die Stadt in Schweigen. Nur soviel: „Die Besichtigungstermine sind ausgebucht“, sagt Volker Mohr, Fachbereichsleiter für Planen und Bauen. Fünf bis sechs Aspiranten hätten sich die Fläche angeschaut oder einen Termin gebucht.

Ein offenes Geheimnis ist, dass die Technische Akademie (TA) dazugehört. Der Bildungsträger benötigt für seine Studenten Unterkünfte für über 80 000 Übernachtungen im Jahr. Bei nur rund 200 eigenen Quartieren wird der Großteil auf dem freien Wohnungsmarkt abgewickelt – verstreut bis in die Ortsteile.

Die Linsingen-Kaserne bietet nicht nur Platz für studentisches Wohnen, sondern von den Wohnblocks bis zur Mensa auch eine vorhandene Infrastruktur. Für die TA vielleicht eine charmante Campus-Lösung. Doch bestätigen will man das Interesse nicht. Die offizielle Sprachregelung lautet: „Wir kommentieren das nicht“, sagt Geschäftsführer Frank Mauve.

Ein weiterer Kandidat ist der Landkreis mit der Elisabeth-Selbert-Schule, die ihre Schüler in Hameln derzeit auf drei Standorte verteilt. Der Plan ist: Die Bildungsangebote sollen am Münsterkirchhof und an der Thibautstraße konzentriert, das Gebäude am Langen Wall hingegen aufgegeben werden. Für dieses Szenario existiert ein Kreistagsbeschluss, und die Kreisverwaltung erstellt gerade ein Raumprogramm, das der Bauplanung vorangeht.

„Aber es gibt kein Denkverbot“, sagt Clemens Gebauer, Leiter des Schulamtes beim Landkreis. Die Linsingen-Kaserne bringe neue Aspekte in die Planung, das Gelände sei eine alternative Option. Momentan werde die Konzentration auf zwei Standorte favorisiert, weil es am Münsterkirchhof auch Schnittmengen bei der Lehrerversorgung mit der Handelslehranstalt gebe. Ein Umzug aufs Kasernengelände sei zudem noch mit vielen Fragezeichen behaftet, zum Beispiel, ob sich der Verkauf und Kauf von Grundstücken am Ende rechnet. Gebauer: „Letztlich muss die Politik entscheiden.“

Auch zwei Hamelner Institutionen, die unter Landeshoheit stehen, haben nach Dewezet-Informationen ihre Fühler in Richtung Linsingen-Kaserne ausgestreckt. Eine davon ist die Polizei. Zwar wurde gerade Geld in die Sanierung der Gebäude an der Loh- und Zentralstraße gesteckt, aber frei von Umzugsgedanken ist das zuständige Staatliche Baumanagement deshalb nicht. Die Behördenleitung hat die Polizei gebeten, sich ein Bild vom Zuschnitt und Zustand der Gebäude hinter dem Kasernentor zu machen. Mitte September habe man einen Besichtigungstermin, bestätigt Hamelns Polizeichef Ralf Leopold.

Mit 12,3 Hektar ist die Linsingen-Kaserne das größte überbaute Areal der Briten in Hameln, gut ein Drittel größer als die ehemalige Scharnhorst-Kaserne. Zunächst will die Stadt Entwicklungsziele für das Gebiet definieren und im Herbst zu bürgeroffenen „Workshops“ einladen. Aber die Verwaltung wird nicht umhinkommen, auch eigene Ideen einzubringen. Und mit Blick auf die potenziellen Interessenten werden dabei die Themen Schule, Verwaltung und studentisches Wohnen im Vordergrund stehen. „Es wird darum gehen, Bürgerwünsche und Nutzungsinteressen miteinander zu verquicken“, sagt Mohr.

Nimmt man das Kreishaus und die angrenzenden Schulen hinzu, könnte am und auf dem Kasernengelände ein neues Bildungs- und Behördenzentrum entstehen. Für den Stadtplaner ein Grund mehr, hier über eine S-Bahn-Station nachzudenken. „Das wäre eine gute Sache“, sagt Mohr, „aber der Weg bis dahin ist weit.“

Fünf bis sechs Interessenten hat die Stadt übrigens auch auf der Liste für die beiden Gerätedepots der Briten: Gundolph Park (5,6 Hektar) und Bailey Park (7 Hektar). Für diese Flächen steht eine Einzelhandelsnutzung auf dem Plan, ein interessierter Lebensmittelmarkt hat im Rathaus bereits angeklopft. In gutem Zustand befinden sich die technischen Einrichtungen der Depots, sie könnten von Firmen übernommen werden. Neben Handel setzt die Stadt hier deshalb auf „nichtstörendes Gewerbe“.

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