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Bund möchte Vertrag für Gebiet „An der Humme“ auflösen / Verhandlungen mit Eigentümern „schwierig“

Leer und vermietet bis 2024

Klein Berkel (bha). Wer einmal versucht hat, ein Haus zur Miete zu finden, weiß, wie schwierig das sein kann. Nun gibt es in Hameln ein ganzes Baugebiet, prall gefüllt mit leerstehenden Häusern, die danach schreien, wieder bewohnt zu werden. Allein: Gekauft oder gemietet werden können sie von den durchaus vorhandenen einzelnen Interessenten derzeit nicht.

veröffentlicht am 26.11.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 10:13 Uhr

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Erst im Jahr 2006 wurden 58 Doppelhaushälften im Baugebiet „An der Humme“ in Klein Berkel für britische Soldaten und ihre Familien fertiggestellt. Die Bavaria Immobilien GmbH in Weiden ließ bauen, verkaufte einige, behielt einen Großteil der Häuser selbst und vermietete sie an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die einst die Anmietung von Objekten für die britischen Soldaten übernommen hatte. Die Bima nun mietet und mietet und mietet. Und zahlt und zahlt und zahlt. Für einen der größten Leerstände an Wohnraum, den Hameln zurzeit zu bieten hat. Den deutschen Steuerzahler trifft das nach Angaben der Bima nicht, wohl aber den britischen.

„Wir verhandeln mit dem Eigentümer über eine frühzeitige Auflösung der Mietverträge“, sagt Christian-Georg Mohrahrend von der Bima. Vertragspartner ist laut Mohrahrend eine Vermieterinteressengemeinschaft unter dem Dach der Bavaria Immobilien. Deren Geschäftsführer, Michael Scheiber, möchte sich gegenüber der Dewezet zu der Situation nicht konkret äußern, nur: „Wir sind in Verhandlung.“

Die Verhandlungen, vor über einem Jahr gestartet, gestalten sich nach Ausführung der Bima „schwierig“, weil eben die Interessen unterschiedlichster Eigentümer unter einen Hut gebracht werden müssten. Und, so die Vermutung, weil die Eigentümer selbst ihrerseits langfristige Verbindlichkeiten zu erfüllen haben, die mit den Mieten abgesichert sind. Der Leerstand jedenfalls, „ist nicht das, was wir wollen“, sagt Mohrahrend. „Häuser werden nicht besser, wenn sie leerstehen.“ Abflüsse fangen an zu stinken, Schäden könnten entstehen, von denen keiner etwas mitkriegt. Zwar werden die Häuser laut Verbindungsoffizier Mike Whitehurst regelmäßig gewartet und kontrolliert. Aber die Sorge vor „unerwünschten Elementen“, wie er es nennt, ist offenbar vorhanden. Und die Hoffnung auf einen „nicht zu kalten Winter“, der den leeren Häusern ebenfalls zu schaffen machen würde.

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  • Ungenutzt und erst wenige Jahre alt: Die Häuser am Kattenwinkel und an der Büttenstraße. Seit Wochen stehen sie leer – Miete muss trotzdem gezahlt werden. Dana

Sollten sich Bima und Vermietergemeinschaft nicht einigen, will die Bundesanstalt zu anderen Mitteln greifen. „Dann steht uns die sogenannte Untervermietung zur Schadensabwehr zu“, erklärt Mohrahrend, sprich: Vermietung auf dem freien Markt.

Wie viel die Bima respektive Großbritannien derzeit monatlich an Miete zahlt, will keiner der Beteiligten verraten. Mohrahrend beschreibt lediglich den Preis für die Objekte als „über dem üblichen Mietniveau“. Für den Fall der Untervermietungen sozusagen. Denn die Häuser seien nach speziellen Vorgaben gebaut worden, unter anderem auch inklusive Besonderheiten hinsichtlich des Brandschutzes. Laut Mietspiegel für Hameln-Pyrmont beträgt derzeit die durchschnittliche Miete für ein Haus 954,06 Euro pro Monat. Für kleinere zwischen 100 und 140 Quadratmeter – und darum handelt es sich hier – sind laut Mietspiegel 765 Euro fällig. Macht bei 58 Häusern: 44 370 Euro monatlich.

Einigen sich die Parteien nicht, läuft der Mietvertrag bis Ende 2024. Hätte irgendjemand geahnt, dass die britischen Streitkräfte vorzeitig aus Deutschland abgezogen werden, hätte „niemand so einen langfristigen Vertrag unterschrieben“, sagt Mohrahrend.

Die Doppelhäuser wurden extra für die britischen Streitkräfte, die in Hameln stationiert waren, gebaut.

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