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Doch die Stadt reagiert verhalten

Investor plant Luxus-Baugebiet an der Humme

Klein Berkel. Wohnen am Fuße des Ohrbergs, Südlage im Grünen, die Humme fließt fast im eigenen Garten – für Sven Morawe gehen Wohnträume in Erfüllung. Der Bückeburger Immobilien-Investor plant am Schwarzen Weg in Klein Berkel ein Luxus-Wohngebiet mit 40 Einfamilienhäusern. Doch bei der Stadt rennt er damit keine offenen Türen ein.

veröffentlicht am 09.10.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 10:13 Uhr

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Eine etwa 30 000 Quadratmeter große Fläche habe er bereits erworben, bestätigt Morawe gegenüber der Dewezet. Das Areal zwischen Schwarzem Weg und Humme umrunde die Neubausiedlung am Kattenwinkel und reiche bis zum Fußweg am Festplatz. Nicht weit vom Einkaufszentrum an der Bundesstraße. „Die Lage ist fantastisch“, schwärmt Morawe.

Mit seiner „Immobilienfonds Schaumburg-Lippe GmbH“ schreibt sich der Bückeburger exklusive und hochwertige Projekte mit architektonischem Anspruch auf die Fahnen. So will er in Bückeburg mit dem Bau von Eigentumswohnungen „in fürstlicher Lage direkt am Schlosspark“ beginnen. Auch in Klein Berkel denkt der Investor eher groß als klein: Ein „hochwertiges Baugebiet“ schwebt ihm vor, ein „Vorzeigemodell“, das sich am historischen Vorbild der ehemals radikal modernen Stuttgarter Weissenhofsiedlung orientiere. Das Gelände biete Platz für 40 Häuser und soll durch eine neue Straße erschlossen werden – nicht irgendeine, sondern eine von Schwarzeichen gesäumte Allee.

Ein Konzept, das auf dem schwierigen Markt für Wohngebiete eine Chance hat? „Luxus wird bezahlt“, ist sich der potenzielle Bauherr sicher. Zudem lasse sich die natur- und stadtnahe Lage gut vermarkten.

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Bei einem ersten Kontakt mit der Stadt hat Morawe erfahren, dass der Abzug der Briten Leerstände auf dem Wohnungsmarkt befürchten lasse, was neue Angebote nicht gerade herausfordere. Mit derselben Begründung soll die Stadt einem anderen Interessenten, der auf der Fläche ebenfalls Einfamilienhäuser errichten wollte, bereits eine Absage erteilt haben.

Von der Reaktion der Stadt will sich Morawe nicht schrecken lassen. Die Baupläne lägen beim Architekten, der nächste Schritt führe ihn mit den Plänen ins Rathaus.

Dort reagiert man auch auf Anfrage der Dewezet zurückhaltend auf den Vorstoß. „Wir werden uns das Konzept ansehen“, sagt Stadtbaurat Hermann Aden. Dass man nicht „Hurra“ schreie, habe auch etwas mit der Vorgeschichte des Grundstücks zu tun, das auf dem Gelände der ehemaligen Mühlenwerke Weber liege und mit Altlasten belastet sei. In Teilen liege es zudem im Überschwemmungsgebiet. Der Stadt selbst sei das Grundstück zuvor zum Nulltarif angeboten worden – man habe abgelehnt.

Die Altlasten könnten bei der Vermarktung zum Problem werden, befürchtet der Baudezernent. Und das in einer ohnehin schwierigen Marktlage für Einfamilienhaus-Grundstücke: „Eine beliebige Erweiterung des Angebots macht es für die bestehenden Angebote nicht einfacher“, sagt Aden mit Verweis auch auf die schleppende Entwicklung am Hottenbergsfeld.

Das Problem der Altlasten am Schwarzen Weg indes ist weder neu noch unüberwindbar. Auch die Hamelner „Kontur Bau Vision“ musste 2006 das Erdreich von Bauschutt, Asche und Schlacke befreien, bevor die Industriebrache in das Wohngebiet „An der Humme“ verwandelt werden konnte. Damals wurden 40 000 der 70 000 Quadratmeter als Neubaugebiet erschlossen.

An der Büttenstraße und am Kattenwinkel entstand so eine britische Kleinsiedlung mit 60 Doppelhaushälften. Während der Bückeburger Investor jetzt das umliegende Gelände bebauen möchte, droht der vorhandenen Siedlung der Leerstand. Die Stadt jedenfalls bewertet die Vermarktung der für deutsche Wohnansprüche offenbar sehr klein geratenen Haushälften in einem Gutachten zum Briten-Abzug von Dezember 2010 als schwierig.

Ein Luxus-Wohngebiet mit 40 Einfamilienhäusern könnte in Klein Berkel entstehen.Dana/cn

Das geplante Baugebiet © OpenStreetMap-Mitwirkende. Grafik: cn

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