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Mit dem „English Cottage“ will Eva Heithecker Sprache und Kultur pflegen

Ein durch und durch britischer Ort

Der Abschied auch der letzten britischen Streitkräfte aus Hameln rückt näher. Wie geht es den Familien? Wer geht, wer bleibt? In der Serie „Goodbye“ beschäftigen wir uns in loser Reihenfolge mit dem Abzug der Briten.

veröffentlicht am 05.06.2014 um 09:23 Uhr

Spielerisch die englische Sprache lernen (v. l.): Tamara (6), Natalie (7), Frida (6) und Sophie (7) im English Cottage. Foto: Wal

Wer das „English Cottage“ betritt, dem sticht sie sofort ins Auge: die original britische Telefonzelle in Signalrot. Sie ist nicht nur ein Hingucker. Sie ist ein Symbol für die große anglophile Leidenschaft von Eva Heithecker. Die 47-Jährige hat das Relikt aufarbeiten lassen. Zwei der roten Telefonzellen standen mal in Hameln, inzwischen waren sie längst aus dem Stadtbild verschwunden, als sich die Hamelnerin mit dem Faible für alles Britische daran erinnerte, sie quasi vom Schrott holte und der Stadt abkaufte. Beim Aufstellen des tonnenschweren Stahl-Ungetüms halfen übrigens britische Soldaten, die zufällig vorbeikamen und sofort mit zupackten.

So ganz zufällig war die Aktion allerdings doch nicht – „The English Cottage“ liegt schließlich an der Süntelstraße 35 a und damit genau gegenüber der Linsingen-Kaserne.

Bewusst gewählt hat Eva Heithecker diesen Standort zwar nicht, er hat sich ergeben auf der Suche nach einem Ort, an dem sie Kurse und Veranstaltungen anbieten und ein bisschen der englischen Lebensart frönen kann. Mit einem „Door knock“, dem Türklopfer an einer englischen Tür samt britischem Rosenstock im Schaufenster und vielen kleinen Details vom Union Jack bis hin zu Porzellantassen in den Räumen an der Süntelstraße hat sich ihr Traum erfüllt. Das English Cottage kann in diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen feiern.

Von Kindesbeinen an begeistert sich Eva Heithecker für die englische Sprache und Kultur, „für diese schrullige Art, das Verschrobene und alles, was damit zu tun hat“. Sie hat eine amerikanische Tante, die in Deutschland lebt und Kinder in ihrem eigenen Alter hat; außerdem ging es zu Besuch nach England zu dort lebenden Verwandten. „Da habe ich mein Herz verloren“ – und diesen Satz bezieht sie rein auf die Liebe zu einem Land. Ihr Mann ist Deutscher, der auch schon in England gelebt hat, ihre Begeisterung aber nicht ganz so ausgiebig teilt.

Die Hamelnerin hat in England und Amerika studiert, ist ausgebildete Lehrerin. Im Frühjahr 2001 kam sie zurück, im September fing sie zunächst als „Feuerwehrkraft“ an der Pestalozzischule an. Unterrichtet hatte sie zuvor auch in Berlin und im Ausland. Gemeinsam mit ihrer schottischen Freundin Fiona Weber, die mit einem Deutschen verheiratet ist und die sie durch andere englische Freunde kennengelernt hatte, wurde die Idee, einen englischen Ort in Hameln zu schaffen, weitergesponnen.

Bei gemeinsamer Lektüre den „Typical British Humour“ entdecken, Unterricht für Erwachsene, die ihr Englisch auffrischen oder verbessern wollen, Veranstaltungen rund um das Thema England – all das bietet Eva Heithecker in ihrer kleinen Privatschule gemeinsam mit ihren drei Mitarbeitern. Außerdem heißt es „Welcome Little Learners“: Angeboten werden Sprachkurse für Vorschulkinder und für Schüler von der 1. Klasse aufwärts, jeweils altersgerecht aufbereitet. Die Lehrerin findet es schade, dass durch das Schulsystem oft der Spaß an der Sprache genommen werde, „Sprache ist mehr als das Lernen von Vokabeln“, sagt sie. „Die Kinder werden gestresst, unter Druck gesetzt.“ Zu ihr kommen Kinder, die ohnehin zweisprachig aufwachsen, viele türkische Jungen und Mädchen, „die wirklich gut sind, weil sie ein ganz anderes Gespür für Sprache haben“.

Die Schüler des Cottage lernen aber nicht nur die Sprache kennen, sondern etwas über Kultur und Lebensart. Da bot es sich an, auch Abstecher in die Kaserne zu machen und bei Veranstaltungen wie dem „Youth Club“, einer Party, Kontakte zu knüpfen. Es gab auch den „German Evening“ – mit Currywurst.

Diesen Austausch wird es in Zukunft nach dem Wegzug der Briten nicht mehr in dieser Form geben können; das English Cottage schon. Und den British-German Club, der jetzt nach deutschem Vereinsrecht auf neue Füße gestellt wurde, auch wenn damit einiges komplizierter geworden ist. Und vielleicht wird ja dann Eva Heitheckers lange gehegter Traum vom „Tearoom“ auch noch Wirklichkeit.  Auch wenn der Briten-Abzug für sie keine direkten Auswirkungen haben wird – „persönlich finde ich es sehr schade. Ich werde sie vermissen“.

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