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Bob Tyler und die Royal British Legion kümmern sich in Hameln um ehemalige britische Armeeangehörige

Eigentlich sind wir Deutsche geworden

Hameln. Wenn Robert „Bob“ Tyler an seine Militärzeit in Hameln denkt, gerät er fast ins Schwärmen. „Hameln ist der beste Standort, den man sich als britischer Soldat vorstellen kann. Viel besser als etwa Singapur. Da lag der Entschluss, auch im Alter hierzubleiben, doch auf der Hand.“ Vier Jahre lang hatte der heute 67-Jährige als Fahrer und Mechaniker auf einem großen Brückenlegefahrzeug für die britische Armee in Hameln gearbeitet, eher er 1971 aus dem aktiven Dienst ausschied.

veröffentlicht am 05.01.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 14:19 Uhr

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Als Außendienstmonteur hat Bob Tyler dann mehrere Jahre für Hamelner Firmen in Afrika und im Nahen Osten gearbeitet. „Das kann man aber nicht sein Leben lang machen und deshalb bin ich nach Hameln zurückgekommen“, berichtet er.

In der „Royal British Legion“, einem Verein britischer Veteranen, kümmert sich Tyler um das Wohlergehen ehemaliger Truppenangehöriger. „Wir sind ein Teil des Council of British Service und unsere Aufgabe ist es, eine sozial kompetente und vertrauensvolle Kontaktstelle für ehemalige Soldaten, die Hilfe benötigen, zu sein.“

Wie viele ehemalige Armeeangehörige allerdings nach dem endgültigen Abzug noch in Hameln geblieben sind, können weder Tyler noch die Stadtverwaltung genau beziffern.

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  • Briten oder Deutsche? Die Tyler-Familie (v.li.): Nelly (10), vorne Fine (6), dahinter Brigitte, dann Nick (12), Bob Tyler mit dem Hund Pepe (Mischling, 3) daneben Anni vorne mit Petra, Daniel (43), Yolli mit Livia (6 Wochen) und André. Nicht auf dem Foto ist Tochter Pinja mit Mann Dennis und Sohn Miika. eaw

Tyler erinnert sich: „Vor 30 Jahren waren die Briten noch die größte Gruppe ausländischer Mitbürger hier in Hameln, und als dann die Türken kamen, gab es oft Streitereien, sogar Schlägereien und so. Da haben sich damals die Väter zusammengesetzt und die Sache glatt gebügelt.“

Anfangs habe man sich aus der relativ geschlossenen Armeegesellschaft nicht oft unter Deutsche gewagt, doch das habe sich im Laufe der Jahre geändert. „Viele Engländer hatten deutsche Freundinnen, es entstanden deutsch-britische Familien, und vor allem die gute Ausbildung bei der Armee hat dazu beigetragen, dass die Ehemaligen gute Arbeitsplätze gefunden haben.“

Besondere Bedeutung dabei habe etwa das BHW gehabt, das vielen ausgeschiedenen Soldaten und deren Frauen Arbeit gegeben habe. Tyler ist sich sicher, dass das entscheidend zur guten Integration der Briten in die Hamelner Gesellschaft beigetragen habe. „Wenn Du in Rom bist, benimm Dich wie ein Römer“, zitiert Tyler das alte Sprichwort und fügt hinzu: „Es ist doch schön in Deutschland. Ich habe zwar einen britischen Pass und vergesse auch meine Wurzeln nicht, aber eigentlich bin ich schon Deutscher.“

Rund 150 Mitglieder hat die „Royal British Legion“ derzeit. „Wir machen zwei bis drei Veranstaltungen pro Jahr“, erklärt Tyler. Vor allem die Vernetzung der „Restbriten“ in Hameln ist ihm ein besonderes Anliegen. „Nicht, was man weiß, ist entscheidend, sondern wen man kennt.“ Obwohl die in Hameln gebliebenen Briten sehr gut ins Leben der Stadt integriert seien, es keine britischen Arbeitslosen gebe, sei die „Legion“ insbesondere in sozialen Fragen eine gute und hilfreiche Anlaufstelle. Die Feiertage hat Bob Tyler im Kreis seiner Familie verbracht. „Drei Kinder und drei Enkelkinder, da ist ordentlich was los.“ Ob sie nun Briten oder Deutsche sind, darüber denkt Bob Tylers Großfamilie gar nicht mehr nach.

Symbolischer Akt zum offiziellen Abschied der britischen Streitkräfte aus Hameln im Juni 2014: Die Fahne ist eingeholt, Andy Oliver spricht ein Gebet.

Archiv/fn

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