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Ken’s Little English Shop bleibt geöffnet

Den Keks zur Tea Time gibt’s weiterhin

Hameln. So manches Geschäft schließt hinter dem letzten britischen Kunden für immer seine Tür. Die Kundschaft fehlt, der Umsatz sinkt und der Verkauf lohnt sich nicht mehr. Dass es auch anders geht, zeigt Ken Smith, Betreiber von Ken’s Little English Shop an der Basbergstraße. Der Engländer wird seinen kleinen Laden mit allerlei Köstlichkeiten von der britischen Insel weiterhin betreiben – auch ohne die Briten. Angst vor fehlender Kundschaft hat er nicht. „Wir bleiben. Wir sind auch für die Deutschen und die ehemaligen britischen Soldaten, die hier leben, da“, sagt Smith. Ursprünglich hatte Smith den Laden mit seiner Kollegin Naida Robertson Turner für die hiesigen Briten eröffnet. „Die Deutschen kamen dann irgendwann auch“, erklärt Smith. Mittlerweile machen die Bundesbürger 50 Prozent seiner Kundschaft aus. Und das hat Gründe: „Viele kommen im Urlaub in England oder Schottland auf den Geschmack und wollen dann genau diese Kekse oder diesen Tee auch zu Hause haben“, erklärt Robertson Turner. Auf der Suche nach diesen Leckereien landen viele dann in Ken’s Little English Shop.

veröffentlicht am 11.06.2014 um 10:27 Uhr

Naida Robertson Turner führt gemeinsam mit Ken Smith „Ken’s Little English Shop“ – und das auch nach dem Abzug der Briten. Foto: sak

Smith und Robertson Turner nehmen Sonderbestellungen an und bringen diese persönlich von ihren Reisen mit. So findet man neben einer großen Auswahl an Brot, Tee und Marmelade auch Außergewöhnliches wie Eis mit Minzgeschmack und allerlei englische Süßigkeiten. Vom Abzug der britischen Kräfte merken Smith und Robertson Turner bisher wenig. „Als auch die ehemaligen britischen Soldaten, die Ex-Army, irgendwann ebenfalls im Naafi Shop einkaufen durften, das hat uns viel härter getroffen“, sagt Smith. Doch nun steht das Ende des hiesigen Naafi Shops bevor. „Davon werde wir hoffentlich profitieren“, so Smith. Denn unweit von Ken’s Little English Shop befindet sich der Naafi Shop. Ein Supermarkt, der ausschließlich den Briten vorbehalten ist und nur britische Waren anbietet. Im Gegensatz zum Little English Shop wird diese Einkaufsmöglichkeit jedoch mit den Briten verschwinden. Naafi Shop-Mitarbeiter Marvin Owen erklärt: „Wir haben noch bis zum 31. Juli geöffnet – danach ist Schluss.“ Denn in dem britischen Supermarkt spiegelt sich der Abzug der Streitkräfte ganz deutlich in den Verkaufszahlen wider. „Es ist sehr viel ruhiger geworden“, bemerkt Owen schon zum jetzigen Zeitpunkt. Noch sind die Regale voll: Die überschüssige Ware wird nach der Schließung an andere Naafi Shops verteilt. Für viele Mitarbeiter ist mit dem Ende des Supermarkts auch ihre Zeit in Deutschland beendet. Mitarbeiter Marvin Owen wird mit seiner Familie nach Schottland ziehen. „Mein Vater ist bei der Army und wird versetzt“, erklärt Owen.

Ob mit dem Abzug der Streitkräfte auch deren Kultur nicht mehr gegenwärtig sein wird, bleibt abzuwarten. Die Zukunft des Freudenfeuers Guy Fawkes, mit dem die Briten jedes Jahr an den missglückten Anschlag auf den englischen König Jacob I. erinnern, ist jedenfalls noch ungewiss. Bisher kamen in dieser „Bonfire Night“ im November viele Deutsche und Briten zusammen, um symbolisch die Guy Fawkes-Puppen zu verbrennen. Der British German Club würde diese Tradition gerne aufrechterhalten. „Wir fragen uns allerdings: Trauen wir uns so etwas Großes zu? Haben wir die Unterstützung, die man dafür braucht?“ so Vorstandsmitglied Thomas Häckel. Im Gespräch ist, die Veranstaltung nur Clubmitgliedern vorzubehalten. Das Schicksal des britischen Radiosenders BFBS (British Forces Broadcasting Services) ist hingegen schon besiegelt. Nach Angaben des Senders wird die Hamelner Frequenz nach dem Abzug der Briten eingestellt. Der britische Sender lässt sich dann nur noch über das Internet empfangen.

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