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Regiment hat bereits 300 Mann verloren / Stadt kooperiert mit Bundesbehörde

Britenabzug schon im Gange

Hameln. Die in Hameln stationierten Briten setzen alles daran, den für Ende 2014 geplanten Abzug zu realisieren. Um das Ziel erreichen zu können, hat das Militär eine außergewöhnliche Maßnahme beschlossen: Der 23. amphibische Pionierzug, der aus 57 Soldaten und fünf Zivilbeschäftigten besteht, wird für drei Jahre in der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne des Pionierbataillons 130 der Bundeswehr untergebracht. Die Soldaten werden von Hameln nach Bielefeld ziehen und pendeln müssen. Grund: Die „technische Infrastruktur“ am künftigen Standort Halton bei Lancaster im Nordwesten Englands wird voraussichtlich erst 2017 fertiggestellt sein. Es sei zu teuer, für 57 Soldaten ein so großes Areal wie die Linsingen-Kaserne weiterzunutzen, erklärt Mike Whitehurst von der 1. Britischen Panzerdivision. „Das macht keinen Sinn.“

veröffentlicht am 15.01.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 10:13 Uhr

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Nach Angaben von Kommandeur Oberstleutnant Chas Story ist das „28. Engineer Regiment“ in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden. Von einst rund 850 Soldaten seien derzeit noch etwa 550 Mitglieder des Regiments. 200 sind noch bis Ende März als UN-Blauhelme auf Zypern im Einsatz. Sie kehren in wenigen Wochen nach Hameln zurück. Wenn bis Anfang Mai die 57 Pioniere des 23. amphibischen Pionierzugs nach Minden verlegt werden, blieben noch knapp 500 Soldaten bis zur endgültigen Auflösung des Regiments in Hameln, sagte Story gestern.

Da das Pionierbataillon 130 der Bundeswehr in Minden ebenfalls mit Panzerschwimmbrücken vom Typ M 3 ausgestattet ist, biete die Verlegung der britischen Pioniere von Hameln nach Minden den Vorteil, „dass beide Einheiten die bereits bestehende Infrastruktur und die hervorragenden Trainingsmöglichkeiten gemeinsam nutzen können“, erklärt Mike Whitehurst. Der Austausch und die sehr gute Zusammenarbeit zwischen zwei engen Nato-Verbündeten könne so weiter gestärkt und ausgebaut werden.

Die britische Regierung hatte bekanntgegeben, dass das in Hameln stationierte 28. Pionierregiment im Zuge der Umstrukturierung der britischen Streitkräfte 2014 aufgelöst wird. Offenbar bleibt nur eine Kompanie bestehen – sie soll nach Großbritannien verlegt werden. Für die Liegenschaften gibt es nach Angaben von Volker Mohr, Fachbereichsleiter „Planen und Bauen“ bei der Stadt Hameln, „einen bunten Strauß von Interessenten“. Polizei, Straßenbauverwaltung, Technische Akademie und Landkreis sollen darunter sein. Die Kreisbehörde überlege derzeit, „ob die Elisabeth-Selbert-Schule an einem Standort zusammengelegt werden kann“, sagte Mohr. Die Linsingen-Kaserne sei aber nur eine Option. Es würden auch andere Standorte geprüft. Auch andernorts gib es eine rege Nachfrage. Auf die Werkstätten im Gundolf-Park am Reimerdeskamp haben offenbar Handwerksbetriebe ein Auge geworfen. Auch der Einzelhandel findet den Bereich attraktiv.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und die Stadt Hameln haben jüngst eine Rahmenvereinbarung über eine sogenannte „Konversionspartnerschaft“ unterzeichnet. Die Behörden stehen vor großen Aufgaben: Sämtliche derzeit noch von den britischen Streitkräften genutzten Flächen müssen in den kommenden Jahren vermarktet werden – Kasernen, Gerätedepots, Übungsgelände sowie 135 Wohnungen, die sich im Eigentum der BImA befinden. Angesichts dieser Herausforderung sei es wichtig, die Verantwortungsbereiche abzugrenzen, sagt Hamelns Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann. „Die Vereinbarung soll Missverständnisse vermeiden helfen.“

In dem Papier ist unter anderem geregelt, dass die Stadt vor der Veräußerung von Flächen informiert wird. Bei Grundstücksverkäufen, die einer städtebaulich einvernehmlichen Lösung bedürfen, soll die Stadt eingebunden werden. Bezüglich der Wohnimmobilien möchten BImA und Stadt erreichen, dass die Wohnungen möglichst abschnittweise übergeben werden. „Wir wollen verhindern, dass alle Wohnungen gleichzeitig auf den Markt kommen“, erläutert Stadtbaurat Hermann Aden.

Auch die Aufteilung der Kosten wird klar festgelegt. So überträgt die BImA der Stadt bei Bedarf und nach Prüfung im Einzelfall kostenlos Straßen, Wege, öffentliche Grünflächen und Spielplätze. Außerdem trägt die BImA die Kosten für Altlastensanierung und Kampfmittelräumung, soweit dies für den Verkauf der Flächen erforderlich ist. Die Stadt übernimmt die Bauleitplanung und trägt die hierdurch entstehenden verwaltungsinternen Kosten.

Ein tonnenschweres Amphibienfahrzeug fährt an Land. Weil die Briten Hameln bis Ende 2014 verlassen wollen, die Infrastruktur für einen amphibischen Zug in England aber erst 2017 fertiggestellt ist, werden Pioniere zur Bundeswehr nach Minden verlegt.

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