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Trotz hehrer Versprechen der britischen Pioniere gehen soziale Einrichtungen quasi leer aus

Aus der großen Hilfe wurde nichts

Hameln. Wolfgang Kaiser ist bitter enttäuscht. „Aufgrund der jahrelangen guten Zusammenarbeit mit den Briten hätte ich mir etwas anderes vorstellen können“, sagt der Vorsitzende des DRK Hameln. Was Kaiser damit meint, ist die „Hinterlassenschaft“ der aus Hameln abgezogenen Pioniere, an der mehrere soziale Einrichtungen Interesse bekundet hatten. Denn die Briten hatten ursprünglich versprochen, alles, was sie nicht mehr benötigen, eben diesen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. Doch daraus ist nichts geworden.

veröffentlicht am 13.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 17:56 Uhr

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Im Frühjahr dieses Jahres hatte Kaiser angesichts des bevorstehenden Abzugs der britischen Streitkräfte mit dem Verbindungsoffizier Ian Grant Kontakt aufgenommen und nach Material, zunächst nur nach Bekleidung und Decken für Obdachlose, gefragt. Schnell stellte sich heraus, dass die Briten auch bereit waren, weitere Gegenstände für soziale Einrichtungen abzugeben, darunter hochwertige Betten und Matratzen sowie Küchengeschirr. Damit sie nicht mit Einzelanfragen überhäuft würden, vereinbarte Kaiser mit dem Quartiermeister Lieutenant Colonel Ian H. Scrivens, dass der DRK-Ortsverein als Kontaktstelle fungieren, eine Liste mit den gewünschten Materialien zusammenstellen und diese dem Verbindungsoffizier zukommen lassen sollte. Die Briten versprachen, das Material vor dem Abzug zusammenzustellen und in einer Halle auf dem Gelände der Linsingenkaserne zu lagern. „Beispielhaft“ nannte Kaiser dieses Angebot im Frühjahr, von dem neben dem DRK auch das Senior-Schläger-Haus, der Caritasverband, das Frauenhaus und die Bahnhofsmission profitieren sollten, außerdem Kommunen aus dem Landkreis, die eine Welle von Asylbewerbern aus den Krisengebieten Irak und Syrien auf sich zurollen sehen.

Doch die Spendenaktion war offenbar zu schön, um wahr zu sein. Die Winterbekleidung für Obdachlose etwa, die das DRK gern gehabt hätte, gab es nicht. Eine britische Militärvorschrift besagt nämlich, dass keine Bekleidung an Zivilpersonen abgegeben werden darf. Und was das übrige Material angeht, so erlebte Kaiser Ende Oktober eine noch größere Enttäuschung: Als er mit einer großen Delegation aus Hameln, Bad Pyrmont, Hessisch Oldendorf und weiteren Kommunen des Landkreises zum vereinbarten Termin in der Kaserne erschien, musste er feststellen, dass der überwiegende Teil der für Wohnungslose und Asylbewerber benötigten Dinge des täglichen Bedarfs bereits in Containern gelandet und teilweise bereits entsorgt worden war. „Es gab weder Betten noch Matratzen, sondern lediglich Decken und in Kartons verpacktes Küchengeschirr, das aber in einem desolaten Zustand war“, bedauert der DRK-Vorsitzende. Das sei für das DRK und die Sozialbehörden in der Region sehr bedauerlich, da diese Gegenstände nun für teures Geld angeschafft werden müssten.

In einem Schreiben an den Verbindungsoffizier macht Kaiser seiner Enttäuschung Luft: „Ich bedaure sehr, dass hier eine Gelegenheit, Menschen in Not zu helfen, vertan wurde“, heißt es darin. Ohnehin hat er gelernt, mit den Versprechen der Briten vorsichtiger umzugehen. So hatte der Quartiermeister angeboten, quasi als Abschiedsgeschenk der Pioniere eine große Blutspendeaktion in der Kaserne durchzuführen. Doch vom Blutspendedienst in Springe erfuhr Kaiser, dass britische Staatsangehörige aufgrund internationaler Absprachen in Deutschland gar kein Blut spenden dürfen.

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