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Mit dem Abzug der Briten verliert der Hamelner Udo Oppermann Arbeitsplatz und Bandkollege

Abschied von Freunden

Hameln. „Just know that these things will never change for us at all“, erklingt aus den Boxen im K 3. Es sind Textzeilen aus dem Song „Chasing cars“ von Snow Patrol, gesungen von Ryan Penn. Der Gitarrist und Sänger der Hamelner Band „Lickowts“ steht zusammen mit Schlagzeuger Kev Douglas und Flötist Udo Oppermann auf der Bühne der kleinen Hamelner Kneipe. Was sie da im vergangenen Sommer vortragen, heißt übersetzt: „Ich weiß nur, dass sich diese Dinge nie für uns ändern werden“. Doch leider wird sich für die dreiköpfige Band nur ein Jahr später ganz schön viel ändern. Mit Kev Douglas verlässt einer von vielen Briten Hameln und geht zurück nach Schottland. Die Band „Lickowts“ in der jetzigen Besetzung ist Geschichte. „Ich bin traurig, dass die Band auseinanderbricht“, sagt Udo Oppermann, der zwar schon einen Ersatzschlagzeuger gefunden hat, aber Kev Douglas ist mehr als ein Bandkollege. „Er ist mein Freund.“

veröffentlicht am 13.06.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 10:13 Uhr

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Wenn Douglas und die anderen Briten abziehen, dann ist Udo Oppermann nicht nur persönlich betroffen. Auch seinen Job ist der Hamelner dann los. Denn als Busfahrer, der für die britischen Streitkräfte im Einsatz ist, wird er dann nicht mehr gebraucht. Truppentransporte zum Flughafen, Klassenfahrten mit den britischen Schülern – bei diesen Fahrten hat er in sieben Jahren die Kontakte zu den Briten geschlossen, die heute seine Freunde sind. „Im Bus haben wir uns kennengelernt und uns über Musik unterhalten.“ Hier und da habe man sich dann mal im Hafen, auf dem Schiff Task, getroffen, und dort gemeinsam Musik gemacht. „Wir haben gemerkt: Das passt musikalisch gut“, erzählt Oppermann. Dann haben er, Kev Douglas und Ryan Penn, die Band „Lickowts“ gegründet. Und seitdem ganz viel Brit-Rock gemacht. Bei Auftritten auf der Task, im K 3 in Hameln sowie in Rinteln, Bückeburg, Paderborn und Gütersloh. „Wir haben auch viele Konzerte in der Kaserne gegeben und oft zusammen gefeiert“, erinnert sich Oppermann. Und feiern, da schmunzelt er, können die Briten. Alles sei ausgelassener, natürlicher. „Sie haben eine bessere Art von Humor.“ Es sei eine interessante Kultur und einfach nur toll, in diese einzutauchen. Und die wird Oppermann bald auch vor Ort kennenlernen. „Es ist geplant, dass wir Kev in Schottland besuchen und dort eine Tour durch die Kneipen machen“, sagt er. Jetzt am Wochenende wird die Band „Lickowts“ noch einmal in Hameln auftreten: am 14. Juni, beim Farewell-Weekend. „Das wird ein großer Abschied“, weiß Oppermann. Von seinen Freunden, von der Musik und seiner Arbeitsstelle. „Das alles werde ich sehr vermissen. Es waren verdammt gute Jahre“, sagt Oppermann. Bis August ist er noch für die Briten als Busfahrer im Einsatz. An seinen letzten Arbeitstag mag er gar nicht denken. Dabei hat er auch schon eine neue Stelle in Aussicht. Darüber freut er sich, aber er weiß auch: „Der Job bei den Briten war ein Glücksgriff. Es war die beste Zeit meines Berufslebens.“

Der wohl letzte öffentliche Gig der Band „Lickowts“ in aktueller Besetzung findet am Freitag, 18. Juli 2014, im K 3 an der Baustraße in Hameln statt.

Ryan Penn, Kev Douglas und Udo Oppermann (v. li.): Die „Lickowts“ werden in dieser Formation bald nicht mehr auftreten.

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Auch sie hat Hameln schon verlassen: Mit „Bus Escort“ Kerry Cawley hat Udo Oppermann viel Spaß bei seinen Touren gehabt.

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Der Abschied der britischen Streitkräfte aus Hameln steht unmittelbar bevor. Wie geht es den Familien, wer geht, wer bleibt? Und: Was lebt von ihrer Kultur in der Stadt weiter? In der Serie „Goodbye“ beschäftigen wir uns in loser Reihenfolge mit dem Thema Britenabzug.

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