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Ottensteins Rat wehrt sich weiter gegen Neubau / Kreis kann dennoch Genehmigung erteilen

Noch mehr Windkraft abgelehnt

Lichtenhagen. Beim Blick von Lichtenhagens Ortsrand in Richtung der Pyrmonter Bergdörfer wird deutlich, was unter dem Begriff „Verspargelung der Landschaft“ zu versehen ist: Bereits jetzt reiht sich hier Windrad an Windrad. Um so verständlicher, dass viele im Flecken Ottenstein – und Bürgermeister Manfred Weiner geht hier voran – die Meinung vertreten, dass weitere Windkraftanlagen vor ihrer Haustür nun nicht mehr wünschenswert sind. So auch wieder in der jüngsten Gemeinderatssitzung, die im Gasthaus „Schneiderhof“ in Lichtenhagen stattfand.

veröffentlicht am 13.01.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:53 Uhr

Windräder im Abendrot. Foto: pixabay
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Grund des Unwillens: Der Bauantrag für ein weiteres Windrad in der Gemarkung Lichtenhagen an der Grenze zum Pyrmonter Bergdorf Eichenborn. Erst unlängst hatte sich Ottensteins Rat energisch gegen Bad Pyrmonter Pläne gewehrt. Hiernach sollte ein neuer Windpark in unmittelbarer Nachbarschaft zu Lichtenhagen auf Kleinenberger Gebiet entstehen. Daher, so Ottensteins Bürgermeister Manfred Weiner, sei es jetzt inkonsequent, nun auf eigenem Terretorium einem Bauantrag für einen Windkraft-Bau zuzustimmen. In seiner November-Sitzung vorigen Jahres hatte der Gemeinderat des Fleckens Zum Tagesordnungspunkt Windenergie eine Beschlussempfehlung erst einmal verschoben.

Mittlerweile hatte eine Ratsdelegation aus Ottenstein die Kreisverwaltung in Holzminden aufgesucht, um bei der dortigen Genehmigungsbehörde deutlich zu machen, dass man in Ottensteins Gemarkungsgrenzen auf keinen Fall weitere Windkraft-Anlagen mehr wünsche. Die Kreisverwaltung habe den Ottensteinern jedoch deutlich gemacht, dass ihr Einvernehmen zu den Bauplänen ohnehin nur eine Formsache sei; da betreffendes Gebiet in der Gemarkung Lichtenhagen bereits als Vorranggebiet für Windkraft ausgewiesen sei, gebe es für den Flecken kaum eine Chance, dort einen weiteren Windrad-Bau abzulehnen, so die letztendlich genehmigende Kreisstelle: Laut regionalem Raumordnungsprogramm habe der Landkreis auf zwei Prozent seiner Grundstücksflächen den Bau von Windkraftanlagen zuzulassen. Und diese Flächen, so argumentiert die Kreisverwaltung, lägen nun einmal in den Nordkreis-Bereichen Heyen, Bremke und Halle sowie auf der Ottensteiner Hochebene. Und das heißt im Klartext: Auch ohne Ottensteins Zustimmung kann der Landkreis den jüngsten Neubau nach dem Bundesbaugesetz nun über die Köpfe der Flecken-Politiker hinweg genehmigen.

Dennoch blieb Bürgermeister Weiner auf hartem Kurs: „Ich bin dennoch nicht bereit, meine Zustimmung für das Projekt zu geben.“ Denn ebenso wie fünf weitere Ratsherrn vertritt er die Ansicht, dass es nun genug ist mit der Verspargelung der Hochebene, und Ottenstein „eigentlich bereits genug für die Energiewende geleistet“ habe. Und sogar Zahlen hatte man besorgt, um dieses Argument zu untermauern: So werden bereits jetzt über Windenergie auf Ottensteiner Boden jährlich über 27 Millionen Kilowattsunden pro Jahr erzeugt; zusammen mit Biomasse, Solar und Wasserkraft sind es sogar über 36 Millionen Kilowattstunden. Verbraucht werden im Flecken Ottenstein aber lediglich runde acht Millionen Kilowattstunden. Weiner: „Wir produzieren schon jetzt das viereinhalbfache unseres Eigenbedarfs.“

Mit Heinrich Timmermann und Mario Tresca gaben aber auch zwei Ratsherren ihre Zustimmung zum Neubau: „Ich werde nicht gegen etwas stimmen, was hier per Gesetz zulässig ist“, argumentierte Timmermann.

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