weather-image
Heinrich Timmermann überrascht den Fleckenrat von Ottenstein

Neue Windräder auf der Hochebene

OTTENSTEIN/LICHTENHAGEN. Seit 17 Jahren wird auf der Ottensteiner Hochebene mit Windkraftanlagen Strom erzeugt. Aus dem jetzt den Bürgermeistern der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle von der Westfalen-Weser-Netz AG vorgelegten Energiebericht geht hervor, dass sich die Samtgemeinde bereits zu 94 Prozent aus regenerativen Energien versorgt.

veröffentlicht am 07.12.2017 um 17:19 Uhr

Eine der Anlagen solle von einem Bürgerwindpark betrieben werden. Foto: Dana
wft 4

Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Wir liegen damit weit über dem Ziel der Bundesregierung, die bis zum Jahr 2025 40 bis 45 Prozent der Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien erwartet“, konstatierte Ottensteins Bürgermeister Manfred Weiner auf der jüngsten Sitzung des Fleckenrates.

Ein „krasses Gegenbeispiel“ sei der gesamte Landkreis Holzminden, erklärte Weiner. Denn dort würden nur 21 Prozent des Strombedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt. Zum Vergleich: Im Landkreis Hameln-Pyrmont sind dies bereits 56 Prozent. Ursache für die Vorreiterrolle der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle seien die 20 Windkraftanlagen auf den Gemarkungen von Ottenstein, Lichtenhagen, Ovelgönne und Vahlbruch. Hinzu kämen noch die Windkraftanlagen der Pyrmonter Bergdörfer, erklärte Weiner, sowie die etwa zehn Anlagen zwischen Halle und Heyen. Dieser Tatbestand, so formulierte Weiner, lasse zuzüglich einer ausgeprägten Leistung bei Biomasse und Photovoltaik den Schluss zu: „Wir haben genug für die Energiewende getan!“ Entsprechend habe der Rat des Fleckens auch entschieden, dass es auf der Ottensteiner Hochebene keine weiteren Windkraftanlagen geben solle.

Dass Weiners Ratskollege Heinrich Timmermann widersprach und seinerseits ankündigte, von den fünf Altanlagen auf dem Ottensteiner Gebiet, den acht Anlagen bei Lichtenhagen und den drei Anlagen bei Ovelgönne würden in absehbarer Zeit zwölf Windräder demontiert und auf neuen, bereits vom Holzmindener Kreistag festgelegten Vorranggebieten durch sechs 200 Meter hohe Anlagen ersetzt. Flächen des Fleckens Ottenstein würden dadurch nicht berührt. 53 Eigentümer unterschiedlich großer Flächen auf der Hochebene hätten sich bereits zu einer GbR, einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, zusammengetan, um das Projekt zwischen Ottenstein und Lichtenhagen zu realisieren.

Wie Timmermann am Tag nach der Ratssitzung gegenüber der Dewezet erklärte, könnten die Altanlagen nicht aufgestockt werden. „Sie gefährden zum Teil den Schwarzstorchbestand und liegen mit einem Abstand von nur 400 Meter zu den Wohnbebauungen zu nahe an den Orten.“ Die neuen Standorte seien dagegen 850 Meter entfernt. So würden Schlagschatten und Geräuschbelastungen vermieden.

Auf die Ausschreibung des Projekts hätten sich 18 Unternehmen beworben, berichtete Timmermann. Den Zuschlag habe das Unternehmen WPD mit Sitz in Bremen erhalten, das Windkraftanlagen projektiert, vertreibt und betreut. Bei Kosten von sechs Millionen für eine Windkraftanlage wird das Projekt ein Gesamtvolumen von 36 Millionen Euro haben und etwa 20 MW Strom erzeugen. Eine der Anlagen solle von einem Bürgerwindpark betrieben werden. Vorbild sei dabei das Aerzener Modell, erklärte Timmermann. In Aerzen durften sich nur Bürgers des Fleckens an dem dort entwickelten Windpark beteiligen. So werde das auch auf der Ottensteiner Hochebene sein, kündigte Timmermann im Gespräch an. Wie viel ein Anteil an dem Bürgerwindpark kosten werde, könne er jetzt noch nicht sagen.

Mit dem Bau der neuen Anlagen werden zeitweise mehr Windkrafträder auf der Ottensteiner Hochebene als bisher betrieben, denn die Altanlagen werden nach einer Betriebsdauer von 20 Jahren einer Prüfung durch den TÜV unterzogen, ihre Laufzeit danach um höchstens fünf weitere Jahre verlängert.

Da in den bestehenden Windkraftanlagen noch die Getriebe der ersten Generation liefen, sei nicht davon auszugehen, dass ihre Maximallaufzeit erreicht werde, erklärte der Landwirt. „Denn ein neues Getriebe kostet rund 180 000 Euro und das lohnt sich nicht mehr, zumal die EEG-Zulage nach 20 Jahren ausläuft und der Windstrom dann für etwa zwei Cent pro Kilowattstunde vermarktet werden muss.“ Timmermann geht deshalb davon aus, das mit dem Bau von jeweils einer neuen Anlage nach nicht allzu langer zwei Altanlagen demontiert werden.

Obwohl keine Flächen des Fleckens in das Projekt einbezogen sind, soll die Gemeinde mithilfe einer Stiftung an dem Ertrag des neuen Windparks beteiligt werden. „Hier ist das Modell von Coppenbrügge Vorbild“, erklärt Timmermann. „Damit soll der Flecken jährlich mit zehn Millionen Euro am Ertrag der Investitionen beteiligt werden.“ Vielleicht ist das für Bürgermeister Manfred Weiner ein kleiner Trost.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare