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385 Hektar für Anlagen in Lügde

Viel Wirbel um die Windkraft

LÜGDE. „Warum gibt es immer noch keine Klarheit? Warum steht noch immer kein Termin fest?“ Der große Sitzungssaal des Lügder Rathauses war ausnahmsweise einmal richtig gut besucht, als der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Bauen in dieser Woche getagt hatte. Viele Zuschauer konnten es kaum abwarten, endlich ein paar Euro zu machen mit der Windkraft, indem sie entweder ihren Grund und Boden für Windkraftanlagen verpachten oder selbst Anlagen aufstellen.

veröffentlicht am 14.07.2017 um 15:35 Uhr
aktualisiert am 14.07.2017 um 19:50 Uhr

Das Geschäft mit der Windkraft gilt vielen als lukrativ. Doch von 8900 Hektar des Lügder Gemeindegebietes sind 7100 Hektar als „harte Tabu-Flächen“ dafür nicht geeignet. Foto: yt
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Carlhermann Schmitt Reporter
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Als sie gar nicht locker lassen wollten, wurde der Ausschusschef deutlich: „Wir vertreten hier nicht nur Ihre Interessen“, machte Thomas Blum klar, „sondern die gesamte Lügder Bürgerschaft und müssen auch Themen wie den Natur- und Artenschutz berücksichtigen.“ Dabei musste er sich sogar vor die Verwaltung stellen, als Einzelne die Öffentlichkeit nutzen wollten, um die Angestellten des Bauamtes zu beeinflussen.„Auch das Bauamt ist nicht dazu da, Ihre Belange bevorzugt zu behandeln.“

Zwei Planungsbüros sind eingebunden in die Neufassung des Flächennutzungsplans. Eines arbeitet derzeit die Äußerungen ab, die nach der frühzeitigen Unterrichtung der Träger öffentlicher Belange und Behörden eingegangen sind. „Es sind 24 Äußerungen von Bürgern sowie 30 Äußerungen von Trägern öffentlicher Belange und Einlassungen von sechs Nachbarkommunen zu zwölf Themengebieten eingegangen.“ Gregor Günnewich musste auf den Vertreter des Planungsbüros Drees & Huesmann verzichten, der kurzfristig krank geworden ist. Deshalb stellte er die Präsentation vor, die er selbst erst kurz zuvor erhalten hatte. Er zeigte auf, was alles zu berücksichtigen sei: „Vom Geräusch der Rotoren über die Optik und den Schattenwurf bis hin zu Gesundheitsbelastungen und Naturschutz. Aber auch die Abstände und die Beeinträchtigung der Ortsbilder müssen berücksichtigt werden.“

Wir vertreten hier nicht nur Ihre Interessen. Auch das Bauamt ist nicht dazu da, Ihre Belange bevorzugt zu behandeln.

Thomas Blum, Ausschusschef

Es gibt weiche Tabuthemen, die die Gemeinde selbst gewichten kann und harte Tabuthemen, die keine Abwägung zulassen, erklärte Günnewich und nannte als Beispiel hierfür die Einflugschneise eines Flugplatzes. Selbst Bedenken von Denkmalschutzbehörden – zu denken sei hier an die Sichtachsen von Altstadt, Klosteranlage Falkenhagen oder Kilianskirche, werden den weichen Tabuthemen zugeordnet. Und das ist deshalb spannend, da es eine magische Grenze von zehn Prozent der Potenzial-Fläche gilt, die von der Kommune für Windkraftanlagen ausgewiesen werden muss. Egal wie viele weiche Kriterien dagegen sprechen.

Thomas Blum, Ausschusschef. Foto: jl
  • Thomas Blum, Ausschusschef. Foto: jl

Die Umweltplanerin Svenja Heitkämper vom Landschaftsarchitekturbüro Kortemeier-Bockmann stellte die Artenschutzproblematik vor, die von der Planungsebene des Flächennutzungsplans entkoppelt ist und in das individuelle Genehmigungsverfahren einfließen wird. „Aufgrund des Vorkommens von Windkraftanlagen-empfindlicher beziehungsweise kollisionsgefährdeter Vogelarten wie dem Rotmilan gibt es bei allen Flächen in Lügde ein teilweise erhöhtes Konfliktrisiko“, gab sie zu bedenken, glaubte aber, dass ein Verbot mit geeigneten Maßnahmen umgangen werden könne: „Temporäre Abschaltungen, Schaffung von Ablenkungs-Nahrungshabitaten oder passive Umsiedlung durch Habitatoptimierungen.“ Solche Maßnahmen könnten Rotmilan, Falken oder Störche von den Konzentrationsgebieten für Windkraftanlagen weglocken – dauerhaft weglocken, glaubt sie.

Von 8900 Hektar des Gemeindegebietes sind 7100 Hektar als harte Tabu-Flächen nicht geeignet. Von den 1750 Hektar an Potenzialfläche stehen nun 385 Hektar und damit 22 Prozent als Konzentrationsfläche zur Disposition. In einer Sondersitzung will der Bauausschuss darüber befinden.

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