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Warum es am Montagabend im Lügder Rathaus spannend werden kann

Neues zu Kraftwerksplan und Windrädern

Lügde. Auf höchster politischer Ebene wird das Thema „Energiewende“ derzeit heiß diskutiert. Gut möglich, dass das auch in Lügde schon bald nicht mehr ganz anders ist. Befeuert werden könnte die öffentliche Debatte am Montagabend im Lügder Bauausschuss. Denn in der um 18 Uhr beginnenden öffentlichen Sitzung stehen zwei brisante Energie-Themen auf dem Plan: das vom Baukonzern ins Mörth gewünschte Pumpspeicherkraftwerk und die wegen neuer Vorgaben der rot-grünen NRW-Landesregierung in Düsseldorf geplante Ausweisung zusätzlicher Flächen für Windräder.

veröffentlicht am 11.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:19 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Wer aus erster Hand erfahren will, mit welchen Neuigkeiten zu ihrem Industriebauwerks-Projekt im Lügder Naturschutzgebiet die Vertreter des Baukonzerns Hochtief nach Lügde kommen, sollte die Sitzung nicht verpassen. Denn es könnte Antworten geben auf spannende Fragen. So etwa nach den schon für den Sommer angekündigten ersten Ergebnissen der Umwelt-Kartierung im Mörth. Die hatte Hochtief angeschoben. Sie soll im Idealfall nachweisen, dass das 30 Hektar große Oberbecken „naturverträglich“ gebaut werden kann.

Bei den ganz grundsätzlichen Bau-Voraussetzungen hat sich bisher allerdings wenig getan. Deshalb werden die Vertreter des Konzerns und seiner Projektplanungs-Tochtergesellschaft „PSW Lippe GmbH“ wohl wiederholen müssen, was sie schon bei der Vorstellung ihres Projekts im September 2013 in Elbrinxen erklärt hatten: Unter den derzeit geltenden Rahmenbedingungen werde man in Lügde kein Pumpspeicherkraftwerk bauen. Allerdings bauen die PSW-Befürworter in Essen und anderswo auf ein von der Bundesregierung in Berlin zu veränderndes „Strommarktdesign“. Denn Kraftwerks-Bau und -Betrieb lohnen sich nur, wenn sie Geld einbringen. Pumpspeicherkraftwerke können überschüssige Energie aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben – falls das Wasser dann gerade im oberen Becken steht. Durch das Ablassen über eine Turbine ins Unterbecken können sie Energieschwankungen in den Stromnetzen ausgleichen.

Doch diese Rechnung geht nicht mehr auf, seit Solar- und Windstrom die Preise verderben. Die haben die Differenz zwischen billigem Grundlaststrom zum Pumpen und teurem Spitzenstrom geschmolzen. Deshalb wird jetzt der Nutzen für die „Regelenergie“ betont. Das österreichische Internet-Wirtschaftsportal „Trend“ nannte das Geschäftsfeld mit Regelenergie vor einiger Zeit allerdings nur eine „Marktnische“. Es sei „weit und breit kein Mangel an Regelenergie zu erkennen“, schließen die „Trend“-Rechercheure aus einer Schätzung der deutschen Bundesnetzagentur. Erst ab einer hundertprozentigen Stromversorgung durch Wind und Sonne müssten einer Studie der Uni Wien zufolge mehr Pumpspeicherkraftwerke her.

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  • Die Besucher der Bauausschusssitzung erfahren am Montag auch, in welchen Lügder Gebieten eventuell mit dem Bau weiterer Windräder zu rechnen ist. jl

Die österreichischen Wirtschafts-Journalisten schließen aus der aktuellen Entwicklung auf „ein hohes Risiko für Kraftwerksinvestoren“.

Kleiner wird es erst, wenn die Interessenverbände der Pumpspeicher-Projektierer ihre Ziele durchsetzen. Und sie arbeiten daran: So hat die halbstaatliche „Deutsche Energieagentur“ (Dena) die Bundesregierung aufgefordert, einen wirtschaftlichen Betrieb von Pumpspeicherkraftwerken zu ermöglichen. EEG-Umlage und Netzkosten müssten wegfallen, Subventionen werden offenbar erhofft. Die Kraftwerke sollen nicht mehr als Stromverbraucher geführt werden, sondern als Erzeuger. Durch die Energie-Pufferung können maximal 80 Prozent des verbrauchten Stroms zurückgewonnen werden.

Auch der Dena-Zusammenschluss „Pumpspeicherwerke - Partner der Energiewende“ stellte vor einiger Zeit eine vom Kraftwerks-Ausrüster Voith Hydro beauftragte Studie vor, die den Nutzen von Pumpspeicherwerken für die Energiewende herausstreicht.

Noch aber hat die Politik die Rahmenbedingungen nicht zugunsten der Speicher geändert Deshalb ist es still geworden um so manches Bauprojekt. Bundeswirtschaftsminister Gabriel hält sich bisher zurück. Den Rückzug mehrerer Investoren werten Insider als Aufbau einer Drohkulisse für die Entscheider in der Politik.

Derweil scheinen Anwohner wie Naturschützer erleichtert. Denn sie kritisieren vielerorts die mit dem PSW-Bau verbundenen massiven Eingriffe in Natur und Landschaft. Ihr Argument: Am Ende stünde die unumkehrbare Versiegelung intakter Natur.

Mit dem Bau weiterer Windkraftanlagen müssen die Lügder zwar keine großflächige Versiegelung fürchten. Aber vor allem manche Politiker in der Osterräderstadt sorgen sich darum, wie sie die Bürger von der Notwendigkeit weiterer Vorrangflächen für Windräder überzeugen sollen.

Wo neue Anlagen gebaut werden könnten, wird die Öffentlichkeit aber frühestens am Montag im Bauausschuss erfahren. Den ersten Entwurf einer „stadtgebietsbezogenen Potenzialanalyse“ haben die Planer des Bielefelder Unternehmens Drees & Huesmann zwar schon vor den Kommunalwahlen fertig. Damals wollte die Stadtverwaltung den Inhalt der Studie aber noch nicht publik machen. Und auch die Lügder Politiker hielten sich daran.

Am Montag soll das Pla-nungsbüro nun den ersten Entwurf seiner Potenzialanalyse vorstellen. Auf dessen Basis soll dann dieÖffentlichkeit beteiligt werden. Hierfür soll es, wie in solchen Verfahren üblich, eine Bürgerversammlung geben. Dann können die Betroffenen Stellung nehmen. Ihre Kommentare und Einwände werden angehört.

Warum die Stadt überhaupt Windkraft-Vorrangflächen ausweisen muss: Täte sie es nicht, dann hätte sie vor Gericht keine Handhabe, falls irgendjemand irgendwo ein Windrad in die Landschaft bauen wollte.

Apropos bauen: In der Sitzung werden nach den beiden großen Themen, noch zwei weitere behandelt: Die Stadt will die Richtlinien zur Förderung des Lügder Fassadenprogramms ändern. Jetzt muss eine offizielle Förderrichtlinie her. Deren Entwurf soll nun vorgestellt und besprochen werden.

Zudem geht es – wahrscheinlich ein letztes Mal – um den offiziellen Abschluss des schon vor Jahren erledigten Ausbaus der Lügder Straße „Auf der Klus“. Falls die Hochtief-Tochter eines Tages ihr Pumpspeicherkraftwerk im Lügder Mörth bauen darf, dann könnte das Laufrad der Turbine zur Stromerzeugung in etwa diese Größe haben.

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