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Lügdes Politiker haben die Qual der Wahl zwischen Standorten für maximal 80 Räder

Blaue Flächen für die Windkraft

Lügde. Maximal zwischen 80 und 93 neue Windkraftanlagen können auf dem Gebiet der Großgemeinde Lügde errichtet werden. Theoretisch zumindest. Diese Zahl hat jedenfalls eine Suche nach möglichen Flächen ergeben. Mit der hatte die Stadtverwaltung das Bielefelder Unternehmen Drees & Huesmann beauftragt. Die Ergebnisse dieser „Windenergieuntersuchung“ stellte Raumplaner Dipl.-Ing. Jens Peter Huesmann jetzt im Bauausschuss vor.

veröffentlicht am 16.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:19 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Dabei erklärte er den Sinn der angestrebten „Konzentrationszonen“ und gab einen Überblick über die diversen „harten“ und „weichen“ Ausschlusskriterien. Anhand von Landkarten markierte er auch die Schritte auf dem Weg zur Findung möglicher neuer Windkraft-Flächen im Stadtgebiet. Übrig blieben – nach dem Ausschluss zum Beispiel der geschlossen bebauten Orte, der Straßen und Wälder – zwei Karten mit diversen blauen Markierungen für grundsätzlich geeignete Standorte. Die „Maximalvariante“ A weist bei einem Mindestabstand von nur 300 Metern zu den jeweils nächsten Siedlungen Standorte für 93 Windräder aus. Variante B verdoppelt (außer für Einzelgehöfte) den Abstand auf 600 Meter und ergibt noch immer 80 mögliche Standorte. Zwei der Vorgaben: Die Stelle darf nicht windstill liegen, und die Anlagen dürfen sich gegenseitig keinen Wind nehmen.

Ob sie künftig vielleicht einen Windpark in der Nachbarschaft haben, konnten Lügder Ratssaal anhand der Angaben allerdings nur geübte Kartenleser erkennen. Denn die Ortsnamen fehlen auf Huesmanns sparsam bedruckter Konzentrationsflächen-Karte.

Die genannten Zahlen sind allerdings nicht in Stein gemeißelt. Vielmehr müssen Lüdges Politiker – sofern sie nicht aufgrund eigener Interessen oder Wünsche aus ihrer Verwandtschaft befangen sind – nun abwägen, wo sie wie viele Konzentrationszonen für wie viele Windräder ausweisen. Die spätere Festschreibung der Vorranggebiete im Flächennutzungsplan ist die einzige Einflussmöglichkeit der Stadt in Sachen Windkraft. Nur so können die Lügder den Zubau steuern, der „Energiewende“-bedingt auf höchster politischer Ebene gewollt ist. Denn: „Grundsätzlich kann sonst jeder im Außenbereich eine Anlage aufstellen“, erklärte Gregor Günnewich aus dem Bauamt die grundsätzliche Rechtslage.

Die Konzentrationsflächen dürfen allerdings nicht nach Gutdünken benannt werden. Vielmehr gilt es, der Nutzung der Windenergie ausreichend „substanziell Raum“ zu geben, wie ein verbindliches Gerichtsurteil zum Thema gefordert hat. Das Problem dabei: Niemand weiß, was „substanziell“ eigentlich bedeutet. Fest steht indes: Die rot-grüne NRW-Landesregierung in Düsseldorf hat für Windräder keine Mindestabstände festgelegt. Sie will lediglich, dass künftig auf zwei Prozent der Landesfläche Anlagen stehen. Zudem sollen die Kommunen die Ausweisung von Konzentrationszonen „positiv begleiten“. Also: Flächen anbieten, statt sie zu verbieten.

Manchem Politiker, der vielleicht schon jetzt Anwohnerproteste fürchten mag, suchte Huesmann zu beruhigen: „Sie haben sehr viele Bereiche, wo sie konzentrieren können.“ Deshalb verfüge Lügde jetzt noch über gute Möglichkeiten, den Zubau zu steuern.

Damit sich die Stadt künftig nicht mit jedem einzelnen Antragsteller herumstreiten muss, soll nun ein „konsensfähiges, tragfähiges Gesamtkonzept her, wie Planer Huesmann erklärte. Verzichteten die Lügder darauf, dann könnten sie vor Gericht den Kürzeren ziehen, falls ein willkürlich verhinderter Windrad-Bauer klagt.

Übrigens: Laut Gregor Günnewich liegen derzeit beim Kreis Lippe sieben Anträge zum Bau neuer Windenergieanlagen vor. Deshalb bleibt den Politikern nicht beliebig viel Zeit für ihre Entscheidung. Ein Wort mitzureden bleibt im Vorfeld der Änderung des Flächennutzungsplans allerdings auch den Bürgern. Das sieht das Verfahren vor, dass eine Bürgerbeteiligung mit öffentlicher Versammlung verlangt und das Recht zum Einspruch einräumt. Bis die Zonen ausgewiesen sind, dürfte vermutlich mindestens ein Jahr vergehen.

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