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Sturmfront gegen Abo Wind

Bad Münder. „Wir wünschen uns eine rege Beteiligung“, begrüßt Inga Sturm die rund 60 Besucher auf der Info-Veranstaltung, zu der das Wiesbadener Unternehmen Abo Wind eingeladen hatte. Und die sollte die Teamleiterin im hannoverschen Regionalbüro auch bekommen. Die Münderaner wollten erst gar nicht das Ende der Präsentation abwarten, bis sie ihrem Ärger über die geplanten Windräder in Bad Münder Luft machten.

veröffentlicht am 07.03.2015 um 00:03 Uhr
aktualisiert am 21.04.2015 um 15:11 Uhr

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Überrascht ist Sturm nicht, schließlich ist es für die Teamleiterin nicht die erste Veranstaltung dieser Art. „Ich habe es mir schlimmer vorgestellt“, sagt sie sogar am Ende im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Philosophie ihrer Firma nach sei das Gespräch mit den Bürgern vor Ort jedoch unerlässlich, „wir wollen größtmögliche Transparenz im Verfahren.“ Schließlich übernehme Abo Wind im Gegensatz zu vielen anderen Anlagenbauern die Betriebsführung der Windenergieanlagen.“ Dies sei auch der Grund, warum sich das Unternehmen an den Kosten für das Bauleitplanverfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes beteiligt.

Anlass für die mündersche Initiative war das Interesse von Abo Wind, der BayWa r.e. Wind GmbH und der Windpark Hachmühlen GbR, Windräder südlich der Bundesstraße zwischen Flegessen und Hachmühlen aufzustellen. „Wir sind häufig schon zu einem frühen Zeitpunkt unterwegs, da wir mit anderen Planern im Wettbewerb stehen“, erklärt Sturm ihre Vorgehensweise – und sieht sich prompt mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sich die Investoren die Filetstücke bereits aufgeteilt haben. Tatsächlich verbinden sich sechs der zehn potenziellen Windkraft-Standorte in Bad Münder, die das Planungsbüro Luckwald jüngst vorgestellt hat, mit konkreten Investoren-Wünschen. Doch dafür gebe es einen ganz einfachen Grund, sagt Sturm: „Flächenanalyse ist kein Hokuspokus. Wir bedienen uns der gleichen Kriterien, sodass wir zu den gleichen Ergebnissen kommen.“

Vom beschworenen Miteinander – gar an der Möglichkeit einer Beteiligung – wollen die Zuhörer indes wenig hören, scheint für sie hier der Wolf zum Schäfer gemacht zu werden. So stehen sich an diesem Abend zwei nicht in Einklang zu bringende Positionen gegenüber. Während sich Sturm und ihre Kollegen Elisabeth Nowak und Joachim Bock bemühen, die Vorteile der Windenergie zu erläutern, wollen die Menschen ihre Sorgen bezüglich Gesundheitsbeeinträchtigungen und Verschandelung der Natur loswerden.

So argumentiert Sturm mit der regionalen Wertschöpfung durch den Bau von Windenergieanlagen: Die Gemeinde profitiere durch die Steuereinnahmen, lokale Unternehmer würden für den Zuwegebau beauftragt werden und die Landeigentümer verdienten an den Pachtzahlungen. „Und was ist dem mit dem Wertverlust unserer Grundstücke und Immobilien von 30 bis 40 Prozent?“, fragt ein Münderaner.

Mehr noch als dieses Argument belastet viele Betroffene die gesundheitlichen Konsequenzen von Schattenwurf und Infraschall. Beunruhigt zeigen sie sich von aktuellen Entwicklungen in Dänemark. Aus Angst vor Gesundheitsschäden würden in Dänemark kaum noch Windenergie-Anlagen gebaut. Abteilungsleiter Bock verweist dabei auf die vom Gesetzgeber vorgegeben Richtwerte bezüglich der Mindestabstände. Angesichts der Forderung des Umweltbundesamtes, die gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall weiter zu erforschen, bleibt die Verunsicherung nachvollziehbar – und von der Veranstaltung wohl wenig mehr als ein Bleistift mit einem Mini-Windrädchen an der Spitze.col

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