weather-image
Fachbüro erarbeitet Vorschläge / Bürgermeister hält sich bedeckt – Sitzung erst in einigen Wochen

Wo neue Windkraftanlagen stehen sollen

Emmerthal. Aufwendige Planungen eines Berliner Fachbüros stehen vor dem Abschluss, um weitere Vorranggebiete für Windkraftanlagen in der Gemeinde Emmerthal auszuweisen. Zwar hält sich Bürgermeister Andreas Grossmann mit Details zurück, doch sind die Zeiten nun offenbar vorbei, dass nur hinter den Kulissen beraten wird. Er gehe davon aus, dass im März oder April die Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Eventuell werde die Sitzung wegen des zu erwartenden großen Interesses in die Kleine Kultur(n)halle verlegt. Neben dem zuständigen Fachausschuss sollen dazu auch alle Ortsräte eingeladen werden sowie die Eigentümer der potenziellen Flächen und die Investoren, die Interesse bekundet haben, Anlagen zu errichten.

veröffentlicht am 25.02.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 21.04.2015 um 15:43 Uhr

270_008_6973097_lkae103_2602.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Um welche Flächen es sich handelt, möchte der Bürgermeister nicht im Vorfeld sagen. Damit wolle er sich an Absprachen halten. Die zuverlässigen Informationen, die unserer Zeitung vorliegen, wollte Grossmann deshalb gestern weder bestätigen noch dementieren. Danach handelt es sich um folgende Vorranggebiete, auf denen je nach Größe und MW-Leistung mindestens zwölf Windkraftanlagen möglich sind:

Bereich zwischen Börry und Bessinghausen unterhalb des Berges Hasselburg

Bereich Grohnde in Richtung Kirchohsen unterhalb des Scharfenberges und

Bereich Lüntorf auf der Hochebene.

Bislang hatte die Gemeinde lediglich das Vorranggebiet „Kleiner Berg“ bei Börry ausgewiesen. Dort investierten Kommanditisten vor allem aus dem Ilsetal in Bürgerwindkraftanlagen, von denen die ersten 1997 errichtet worden sind – damit zählen sie zu den Pionieren in der Region. Die jüngsten Planungen der Gemeinde sind begründet in der Energiewende im Zuge des Atomausstiegs nach der Reaktorkatastrophe in Japan. Weil in Emmerthal kaum Biogasanlagen Strom produzieren, liegt bislang der Anteil der erneuerbaren Energien unter dem Durchschnitt. Natürlich sei nach Fukushima die Aufgeschlossenheit gegenüber der erneuerbaren Energien relativ groß gewesen, sagte gestern der Bürgermeister. Schon im Jahre 2011 hatte er im Fachausschuss den Ratspolitikern vorgerechnet, dass der Windenergieertrag vervierfacht werden müsste, damit der Anteil regenerativer Energien am Gesamtverbrauch in Emmerthal auf 40 Prozent gesteigert werden könnte. Zwar merke jeder, dass sie auch Belastungen mit sich bringen könnten, dennoch, so glaubt Grossmann, wie er gestern bekräftigt: „Ich denke, dass die Grundstimmung noch positiv ist.“

Bereits 2011 lagen der Gemeinde gut zehn Anfragen von Emmerthaler und gewerblichen Investoren vor, wobei die Zahl der Anlagen nicht immer klar definiert war. An dem Stand habe sich nichts geändert, sagt Grossmann. Die Vorranggebiete, die demnächst präsentiert werden, seien Vorschläge, für die das Fachbüro und ein Arbeitskreis „ganz gute Arbeit geleistet haben“. Auf die Belange der Einwohner und des Landschaftsschutzes werde dabei besondere Rücksicht genommen, meint der Bürgermeister.

Durchkreuzt

neue Stromtrasse Emmerthaler Pläne?

Grundsätzlich gab es in der Politik für die vorangegangenen Beschlüsse große Übereinstimmung. Lediglich im Bereich Börry, wo gleich hinter Esperde auf dem Gebiet des Landkreises Holzminden zahlreiche Anlagen errichtet worden sind, sahen die Einwohner die Grenzen der Belastbarkeit als erreicht an. Im Sommer 2012 hatte der Ortsrat Börry dort sogar eine Bürgerbefragung zur Windkraft gefordert. Ortsbürgermeister Rolf Keller will ebenfalls keine Details vor der öffentlichen Präsentation der Vorrangflächen nennen, da er auch im Gemeinderat Vorsitzender des zuständigen Fachausschusses ist. Zumindest bestätigt er jetzt, dass die Fläche zwischen Börry und Bessinghausen tragbar sei, wo entweder vier kleine oder zwei große Anlagen möglich seien und der Abstand zu den Ortsteilen über tausend Meter betrage. Ihm sei es wichtig, im Gemeinderat einen Kompromiss zu erzielen, der von allen Fraktionen mitgetragen werde. Dazu sei es Voraussetzung gewesen, dass die Vorrangflächen auf das gesamte Gemeindegebiet verteilt würden, erläutert Keller.

Selbst wenn nun parteiübergreifend der Kompromiss beschlossen wird, so könnte sich jedoch ein ganz anderes Problem ergeben. Ausgerechnet die umstrittene „Stromautobahn“ von Nord- nach Süddeutschland könnte den Planungen der Gemeinde einen Strich durch die Rechnung machen. Zwar zeigt die Karte des Netzbetreibers Tennet noch einen recht breiten Verlauf einer möglichen Trasse, dennoch: Sie kreuzt weite Bereiche der vorgesehenen Windvorranggebiete in Emmerthal. cb

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare