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Den Gegnern zum Trotz: Politik signalisiert Zustimmung zu drei neuen Flächen

Windräder im Aufwind

Emmerthal. Soll die Gemeinde Flächen ausweisen, auf denen Windräder gebaut werden dürfen, um einem „Wildwuchs“ wie in Coppenbrügge vorzubeugen oder ist das Vorhaben überambitioniert und schadet der Gemeinde? Befürworter und Kritiker haben klare Ansichten dazu.

veröffentlicht am 09.10.2015 um 16:55 Uhr
aktualisiert am 12.10.2015 um 11:24 Uhr

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Autor:

von maike lina schaper
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Das Thema „Windräder“ scheint sich wie eine unsichtbare Trennlinie durch die ganze Gemeinde zu ziehen. Über die geplante Ausweisung von Vorrangflächen sind sich selbst die Politiker innerhalb der Parteien und einzelnen Ortschaften uneins – und eine Bürgerinitiative protestiert vehement dagegen.

Wäre es nun besser, bestimmte Flächen vorsorglich für die Bebauung mit Windkraftanlagen freizugeben, um einen „Wildwuchs“ wie in Coppenbrügge zu verhindern, oder ist die Planung von drei neuen Vorrangflächen zu ambitioniert gedacht und würde der Gemeinde eher schaden? Alle Ortsräte, die Mitglieder des Ausschusses für Ordnung, Liegenschaften, Brandschutz und Bauen in einer gemeinsamen Sitzung sowie viele anwesende Bürger debattierten am Donnerstagabend über das Thema.

Die Schwierigkeiten verglich Klaus Hinke (SPD) mit der damaligen Entscheidung für das AKW Grohnde. Seiner Meinung nach sei es besser, alle Anlagen auf vier Flächen zu konzentrieren, als wenn das gesamte Gemeindegebiet für eine Bebauung offen stehe.

Die vier Flächen ergeben sich aus der schon vorhandenen Konzentrationsfläche auf dem Kleinen Berg bei Börry und den drei neu geplanten Gebieten bei Börry/Bessinghausen, Grohnde/Kirchohsen und Lüntorf.

Die geplante Ausweisung – vor allem für die größte Fläche bei Grohnde/Kirchohsen – stößt auf massive Kritik seitens der Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Emmertal“. Stephan Stallmann, Sprecher der Initiative, sieht neben einem möglichen Schaden für den Tourismus auch Einschränkungen für die Bürger, weil die Räder nicht nur vom Schloss Hämelschenburg, sondern auch von vielen Dörfern aus sichtbar wären. Das könnte zu sinkenden Immobilienpreisen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch den Lärm führen, argumentierte Stallmann. Außerdem ginge von den Rotorblättern eine Gefahr für Vögel und Fledermäuse aus, und das schwere Fundament einer solchen Anlage könne das Grund- und Trinkwasser gefährden. Die Fläche bei Lüntorf habe zudem die Besonderheit, dass dort ein Hubschrauberkorridor der Bundeswehr zu Konflikten bei der Bebauung führen könnte.

Die Genehmigung von

Flächen bedeutet nicht die von Windrädern

Das sieht das zuständige Berliner Planungsbüro „Plan und Recht“ aber nicht als Ausschlusskriterium an. Ohnehin ginge es erst einmal nur um die Ausweisung von Flächen und nicht um den Bau von einzelnen Anlagen. Diese müssten unabhängig vom jetzigen Prozess einzeln betrachtet und genehmigt werden – jede unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Umgebung. Zudem habe das Büro bei der Planung darauf wertgelegt, einen Mindestabstand von einem Kilometer zu den angrenzenden Wohngebäuden einzuhalten.

Die vier Flächen in der Gemeinde kämen nach jetziger Planung zusammen auf eine Größe von 267,4 Hektar. 49 Hektar davon entfallen auf das Gebiet mit den sechs vorhandenen Anlagen bei Börry. Auf der 27,2 Hektar großen Fläche bei Bessinghausen könnten zwei bis drei neue Windräder gebaut werden. Die Fläche bei Lüntorf käme mit ihren 43,7 Hektar auf drei potenzielle Anlagen und auf dem Gebiet bei Grohnde/Kirchohsen wäre Platz für sieben bis acht Windräder. Das Planungsbüro geht bei dieser Berechnung von Anlagen mit einer Gesamthöhe von bis zu 200 Metern aus. Damit hätten die Windräder dieselbe Höhe wie die neuesten in Coppenbrügge – und wären mehr als doppelt so hoch wie die vorhandenen „kleinen“ Windräder bei Börry/Frenke (85 Meter).

Eine festgesetzte Bestimmung, wie viel Platz eine Gemeinde für Windkraft schaffen muss, gibt es nicht. Nur eine Leitlinie seitens des Landes Niedersachsen, die von 7,1 Prozent der Fläche ausgeht, die in einer Gemeinde grundsätzlich für die Bebauung mit Windrädern geeignet wäre.

Es sei nicht gesetzt, dass auf den neuen Flächen tatsächlich die großen Anlagen gebaut würden, sagt Reinhard Feyer (SPD). Ernst Nitschke (FWE) will hingegen die Landschaft und Natur gern ohne Windkraftanlagen für die nächste Generation erhalten. Aber: Es liegen bereits Anträge für Windräder vor, die nicht auf den angedachten Flächen, sondern an anderen Standorten in der Gemeinde gebaut werden sollen. Ohne einen Flächennutzungsplan müssten sie genehmigt werden, weil der Bau von Windkraftanlagen als privilegiertes Bauvorhaben gilt. Das gibt Ralf-Ulrich Böhm (SPD) zu bedenken.

Bei der anschließenden Abstimmung ergibt sich ein Meinungsbild, das relativ deutlich ausfällt: 22 Lokalpolitiker stimmen für die Ausweisung der drei neuen Vorrangflächen, sechs dagegen. Dieser Beschluss gilt zunächst als Empfehlung. Die endgültige Entscheidung fällt im Gemeinderat, der am Dienstag, 13. Oktober, tagt.

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