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Wirtschaftlichkeit der acht Anlagen sieht er aber nicht in Gefahr – was die Bürgerinitiative deutlich bezweifelt

Windpark: Investor räumt Verzögerungen ein

EMMERTHAL. Die Planungen für den Windpark mit acht Anlagen in Emmerthal sind ins Stocken geraten. Als Grund nennt der Investor in einem Schreiben an Grundstückseigentümer die Gerichtsverfahren. Die Windkraftgegner der Bürgerinitiative stellen wegen der Verzögerungen die Wirtschaftlichkeit des Windparks infrage.

veröffentlicht am 28.08.2017 um 17:38 Uhr
aktualisiert am 28.08.2017 um 18:20 Uhr

Der Windräderpark zwischen Hemmingen, Pattensen und Springe soll verhindert werden. Foto: DPA
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Die Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Emmertal“ zeigt sich weiter gut vernetzt – und dieses Schreiben der Investoren spielt sie als Trumpf aus. In dem Brief an die Eigentümer der Grundstücke, auf denen zwischen Grohnde und Kirchohsen die Rotoren geplant sind, räumt Projekt-Koordinator Christian Nowack von dem Unternehmen Ebert Erneuerbare Energien vor dem Hintergrund der laufenden Gerichtsverfahren ein: „Damit einhergehend muss mit einer verspäteten Inbetriebnahme der acht Windenergieanlagen gerechnet werden.“ Zwar vermisst BI-Vorsitzender Stephan Stallmann einige Informationen der Investoren („Ein reines Beruhigungsschreiben an die Flächeneigentümer“), doch kommentiert er gleichzeitig: „Mit der verspäteten Inbetriebnahme sinken auch die Pachterträge erheblich.“ Gegebenenfalls seien die Verträge – dass es dabei um erhebliche Summen geht, hatte die BI bereits auf Grundlage vertraulicher Unterlagen dokumentiert – neu zu verhandeln. „Die Gelegenheit für zur Vernunft gekommene Bürger, sich aus dem Objekt zu verabschieden“, meint Stallmann auf Nachfrage unserer Zeitung.

Wie berichtet, laufen gegen das Windkraftprojekt Klagen des Landesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen, dem die Gegner aus Emmerthal angehören, vor den Verwaltungsgerichten. Stallmann zeigt sich überrascht, dass den Grundstückseigentümern Informationen vorenthalten würden. Der eigentliche Hauptprozess stehe erst noch bevor, was in dem Schreiben der Investoren nicht erwähnt werde. „Die juristische Auseinandersetzung dürfte also noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, glaubt der Vorsitzende. Die Wirtschaftlichkeit des Projekts auf dem ohnehin nicht als bevorzugter Standort für Windkraftanlagen geltenden Areal sieht er deshalb als fraglich an.

Pachterträge für Flächeneigentümer sinken erheblich.

Stephan Stallmann, Vorsitzender Bürgerinitiative

Bekanntlich war der Landkreis Ende des vergangenen Jahres bei der „Anordnung der sofortigen Vollziehung“ des Genehmigungsbescheides für die acht Anlagen dem Antrag des Investors gefolgt. Ebert Erneuerbare Energien habe dies „im Wesentlichen durch ansonsten drohende erhebliche wirtschaftliche Risiken“ begründet, heißt es im Bescheid. Auf Nachfrage erläutert Nowack, für das Projekt in Emmerthal zuständig, die unterschiedlichen Gerichtsverfahren. Dabei handele sich um das Eilverfahren vor dem OVG Lüneburg und das Hauptverfahren vor dem Verwaltungsgericht Hannover. Wichtig sei die Entscheidung in Lüneburg, die abschließend Ende des Jahres erwartet werde. Ohne das Eilverfahren sei geplant gewesen, bereits im zweiten Quartal 2017 mit den Bauarbeiten zu beginnen und voraussichtlich im vierten Quartal die Windkraftanlagen in Betrieb zu nehmen. Nun sei vorgesehen, mit den Arbeiten „im Falle eines für uns positiven Urteils des OVG Lüneburg im ersten Quartal 2018 zu starten“. Vorher würden allenfalls bauvorbereitende Maßnahmen erfolgen. Die Inbetriebnahme der Anlagen sei dann für das dritte oder vierte Quartal nächsten Jahres vorgesehen, erläutert Nowack.

Mindestens eine Anlage wird Bürgern vor Ort gehören.

Christian Nowack, Projektentwickler Investor

Die wirtschaftlichen Folgen der Verzögerungen sieht er nicht so dramatisch. Dies begründet er mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2017), die unter dem Stern stehe, dass Windstrom nunmehr möglichst günstig angeboten werden solle. „Dies hat in der gesamten Branche für Kostendruck gesorgt“, zieht er einen Vergleich zur Photovoltaikindustrie, wo sich die Entwicklung bereits vor einigen Jahren vollzogen habe. Nowack: „Wir sehen aktuell deutliche Preisnachlässe und sind daher sicher, dass auch Mittel- und Schwachwindstandorte, wie der in Emmerthal, langfristig wirtschaftlich betrieben werden können.“ Nach seinen Angaben gebe es dort neben den Gegnern auch viele Einwohner, die diese Anlagen befürworten und auch dafür investieren würden. „Nach dem Stand der aktuellen Zusagen gehen wir davon aus, dass mindestens eine Windenergieanlage den Bürgern vor Ort gehören wird“, teilt Nowack mit.

Die Bürgerinitiative hingegen will ihren Kampf gegen die acht Anlagen offensiv fortsetzen – und setzt dabei nicht nur auf entsprechende Urteile der Richter, sondern auch auf die Politik. Stallmann: „Es bleibt zu hoffen, dass die anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen dem weiteren Ausbau der Windkraft einen Riegel vorschieben.“

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