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Konzept eines Unternehmens überrascht Bürgerinitiative – dabei suchen schon viele Planer das Gespräch

Windkraft-Investoren in den Startlöchern

Emmerthal. Die Papiere, mit denen ein Windkraft-Projektierer bei Grundstückseigentümern um Flächen buhlt, sorgen für Unruhe in Emmerthal. „Warum liegt schon ein konkreter Windparkplan vor, obwohl es sich bei der Ausweisung der Flächen noch um ein laufendes Verfahren handelt?“, fragt Stephan Stallmann von der Bürgerinitiative, die sich gegen mögliche Anlagen unterhalb des Scharfenberges zwischen Grohnde und Kirchohsen ausspricht. „Warum wurde die Öffentlichkeit bis jetzt außen vorgelassen, obwohl der Investor eine frühe Beteiligung der Bevölkerung anpreist?“

veröffentlicht am 09.03.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 21.04.2015 um 15:14 Uhr

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Hinter der Imagebroschüre mit rund 20 Seiten verbirgt sich die Unternehmensgruppe „Ebert erneuerbare Energien“ mit Sitz in Cremlingen bei Braunschweig und Kiel. „Ihr grundsolider Partner bei der Realisierung des Windparks Grohnde“ heißt es plakativ in den Papieren, die bereits sehr konkret in Details gehen. Obwohl sogar das Berliner Planungsbüro, das die Ausweisung von drei weiteren Konzentrationsflächen in der Gemeinde Emmerthal begleitet, das Areal am Scharfenberg nicht unbedingt als ideal einstuft, strecken die Anlagenbetreiber schon längst ihre Fühler aus.

Die Ebert-Unternehmensgruppe überplant dort gleich die gesamte knapp 160 Hektar große Fläche („gute Windhäufigkeit“, „Der Standort eignet sich hervorragend für Schwachwind-Turbinen“). Damit bekommen die Planungen, die sich bislang nur auf Flächen bezogen, für die Mitglieder der im Februar gegründeten Bürgerinitiative deutliche Dimensionen. Acht Anlagen sind dort geplant – mit einer Gesamthöhe von etwa 200 Metern.

Mit Stand Ende Februar hatte der Landkreis als Genehmigungsbehörde nach eigenen Angaben erst zwei Anträge für sechs Anlagen im Bereich Börry vorliegen. Dass Projektierer schon frühzeitig noch im Vorfeld eines Antrages sich die Flächen sichern wollen, steht aber außer Frage. „Potenzielle Investoren stehen mittlerweile bei den Grundstückseigentümern Schlange“, meinte Bürgermeister Andreas Grossmann beispielsweise beim Neujahrsempfang der Gemeinde. „Meine Bitte an die Eigentümer ist aber, keine übereilten Grundstückssicherungsverträge abzuschließen. Es gibt noch keinen Zeitdruck.“ Gestern bestätigte er diese Einschätzung, dass es zahlreiche Investoren gebe, wobei Grossmann besonders für das Areal in Grohnde gangbare Wege sehe, sich als Eigentümer mit den unterschiedlichen Konzepten zu befassen. Dass die Bürgerinitiative sich überrascht über das Interesse der Betreiber und Projektierer zeige, verwundere ihn. Grossmann: „Das ist ein ganz normaler Vorgang.“

Worauf die Ebert-Unternehmensgruppe abzielt, ist ebenfalls deutlich. Sie stellt nicht nur die Standorte detailliert dar, legt dazu eine Schall- und Schattenprognose vor. Ganz klar geht es auch um Geld bei möglichen Nutzungsverträgen: Pro Windenergieanlage und Jahr stellen die Planer 28 500 Euro für sämtliche Grundstückseigentümer in dem Papier, das unserer Zeitung vorliegt, in Aussicht.

Den Eigentümern unterhalb des Scharfenberges sind aber offenbar schon von mehreren Seiten unterschiedlichste Konzepte vorgestellt worden, wie aus beteiligten Kreisen zu erfahren ist. Die Grundstücksbesitzer hätten sich zusammengeschlossen, um darauf vorbereitet zu sein, wenn es ein Windvorranggebiet dort gebe, „was ja noch mit vielen Fragezeichen versehen ist“. Sollten dort Anlagen errichtet werden können, dann strebten die Eigentümer ein Modell an, die Einwohner daran – Stichwort Bürgerwindpark – mit zu beteiligen, wie es heißt.

Der Bürgerinitiative setzt weiter darauf, die Anlagen im Bereich Grohnde/Kirchohsen zu verhindern. Eine entsprechende Petition sei inzwischen von 250 Unterzeichnern unterstützt worden, teilt Stephan Stallmann mit. Die Initiative argumentiert inzwischen verstärkt mit möglichen Gesundheitsgefahren. Dabei beruft sie sich auf Dänemark, wo derzeit viele Windpark-Pläne ruhen, um eine staatliche Untersuchung abzuwarten. Die Forderung der Initiative, das Areal am Scharfenberg aus den Planungen herauszunehmen, sei als Antrag inzwischen an die Emmerthaler Ratsfraktionen übergeben worden, berichtet Stallmann. cb

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