weather-image
Initiative kritisiert Vertrag der Gemeinde mit Investor – aber nur 14 Protestler folgen Aufruf zur Demo

Windkraftgegner sprechen von Skandal

Emmerthal. Es war nur ein kleines Häuflein von Windkraftgegnern, das sich gestern Nachmittag vor dem Rathaus in Emmerthal versammelt hatte, um gegen den Bau von Windkraftanlagen am Scharfenberg zu demonstrieren. Ganze 14 Menschen lauschten den Worten von Stephan Stallmann, dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Emmertal e.V.“, der eine Breitseite gegen die Energiepolitik von Bund und Land, insbesondere aber gegen die Energiewende mithilfe von Windenergie abschoss. Von „skandalösen Ereignissen in Sachen Windenergie hier in der Gemeinde“ sprach Stallmann und vom „weiteren sinnlosen Ausbau der Windenergie in Emmerthal, im Landkreis Hameln-Pyrmont, in Niedersachsen und nicht zuletzt in Deutschland“.

veröffentlicht am 10.07.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 16.03.2016 um 08:06 Uhr

270_008_7741494_lkae101_Demo_Wal_1007.jpg

Autor:

wolfhard F. Truchseß
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Als „skandalös“ bezeichnete Stallmann die Tatsache, dass nach der Demonstration hinter verschlossenen Türen im Rathaus über einen Vorvertrag mit dem Investor Ebert Erneuerbare Energien (EEE) beraten werden solle und damit Fakten für den Windpark auf der Konzentrationsfläche B geschaffen würden – eine Aussage, der Bürgermeister Andreas Grossmann deutlich widersprach. „Dieser Vorvertrag bedeutet nur, dass EEE dort Windkraftanlagen errichten kann, sofern der geplante Flächennutzungsplan Rechtskraft erhält.“ Komme der Flächennutzungsplan nicht zustande, sei der Vorvertrag bedeutungslos.

Im Übrigen sei die Gemeinde lediglich Eigentümer von etwa vier Hektar Grund innerhalb der Konzentrationsfläche, die eine Gesamtgröße von mehr als hundert Hektar habe, erklärte Grossmann am Rande der Kundgebung. Außerdem hätten sich die Realgemeinden Grohnde und Kirchohsen schon vor einiger Zeit zu einer gemeinsamen Grundeigentümerversammlung zusammengetan und sich über die Angebote verschiedener Windkraft-Investoren informiert und sich für EEE entschieden. Eigentümer im „höheren zweistelligen Bereich“ hätten bereits Vorverträge mit EEE unterzeichnet. Gleichzeitig warnte Grossmann davor, auf die Verabschiedung des geplanten Flächennutzungsplanes zu verzichten. „Dann bekommen wir hier Verhältnisse wie in Coppenbrügge“, so Grossmann – was Stallmann als „reine Panikmache“ bezeichnete. Grossmann: „Ohne Flächennutzungsplan suchen sich die Investoren die Flächen aus, die sie haben wollen. Das lässt sich in Coppenbrügge besichtigen.“

In seiner Ansprache hatte Stallmann zuvor beklagt, dass Deutschland seine Natur „mit einer unfassbaren Rücksichtslosigkeit einer nutzlosen Ideologie“ opfere. Alle Konzepte, den ländlichen Raum aufzuwerten und der Entvölkerung entgegenzuwirken, würden konterkariert. „Denn wer zieht schon ins Grüne, um dann in einer Industrielandschaft mit Immissionen wie Infraschall, Lärm und Schattenschlag zu leben.“ Immobilieneigentum werde entwertet, der Altersversorgung ein Großteil ihrer Substanz genommen. „Es handelt sich um eine Form der äußerst problematischen Enteignung zugunsten privater Dritter.“ Die grundlegende Wahrheit sei: „Strom, der zur falschen Zeit am falschen Ort produziert wird, ist weniger wert als Null.“ Mit der gleichzeitig geäußerten Warnung, die Kernkraftwerke abzuschalten und statt ihrer neue Kohle- und Gaskraftwerke zu bauen, hörte sich Stallmanns Rede fast wie ein Plädoyer für Atomstrom an.

Die Teilnehmer der Demonstration seien keine Wutbürger. „Wir sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft“, erklärte Stallmann. „Hier gehen Leute auf die Barrikaden, die im normalen Leben nie auf den Gedanken gekommen wären, auch nur auf eine Demo zu gehen. Sie haben hier die versammelte bürgerliche Intelligenz gegen sich.“

Dass zu der ordentlich angemeldeten Demonstration nicht mehr Menschen gekommen seien, hänge damit zusammen, dass man innerhalb von so kurzer Zeit nicht mehr Menschen habe erreichen können. Erstaunt zeigten sich Beobachter der Demonstration, dass noch nicht einmal Plakate oder Banner gegen die Windkraftanlagen mitgebracht worden waren. „Das war wie eine Demo ohne Demonstranten“, kommentierte ein Passant später das Geschehen vor dem Rathaus.

Die Frage, weshalb sie auf der Kundgebung gegen Windenergie protestieren, beantworteten Annemarie und Kurt Schriegel aus Grohnde mit dem Hinweis auf die Geräuschbelastung, den Schattenschlag und die Bedrohung ihrer Gesundheit durch Infraschall. Hinzu komme die Optik, denn das Landschaftsbild werde durch die Windräder zerstört.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare