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Bürgerinitiative liegt Gutachten zu Windenergieanlagen vor

Windkraft: Schattenwurf belastet Einwohner

EMMERTHAL. Die Kritik der Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Emmertal“ an den Investoren für die Anlagen zwischen Kirchohsen und Grohnde reißt nicht ab. Nach und nach erst würden die Folgen deutlich, die sich durch die geplanten Windräder ergeben würden, meint ihr Vorsitzender Stephan Stallmann.

veröffentlicht am 27.06.2016 um 14:39 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:54 Uhr

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Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Die Kritiker berufen sich auf die Ergebnisse eines Gutachtens, das den Schattenwurf der acht geplanten Anlagen (Rotordurchmesser 136 Meter) berechnet und dabei erhebliche Folgen für Teilbereiche von Grohnde ermittelt. „Die meisten haben keinen Schimmer davon, was da vor ihrer Haustür passieren kann“, meint Stallmann zu den kaum noch öffentlich gemachten Informationen. Die Bürgerinitiative hingegen ist aus nicht genannten Quellen in den Besitz des Gutachtens gekommen, das im Auftrag der „Ebert Erneuerbare Energien Projekt GmbH & Co. KG“ als Planer des Windparks erstellt worden ist.

Laut Immissionsschutz soll eine Belastung durch Schattenwurf von 30 Stunden im Jahr oder 30 Minuten pro Tag nicht überschritten werden. Die Gutachter kommen in ihren Berechnungen zu dem Schluss, dass in einigen Wohngebieten von Grohnde nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Richtwerte überschritten würden – im ungünstigsten Fall um das Doppelte. Die Gutachter schlagen deshalb vor, teilweise Abschaltautomatiken für die Rotoren vorzusehen.

Die Projektentwickler hatten im Frühjahr selbst darauf hingewiesen, dass sie für das Genehmigungsverfahren – zuständige Behörde ist der Landkreis – mehrere Gutachten in Auftrag geben müssten. Diese hätten zum Ziel, mögliche Belastungen aufzuzeigen, möglicherweise mit der Konsequenz, dass nicht alle Anlagen gebaut werden könnten. Auch das Fachbüro der Gemeinde, dass die Planungen für die insgesamt drei Konzentrationsfläche begleitet hatte, machte deutlich, dass die Zahl der Anlagen erst in den einzelnen Genehmigungsverfahren geprüft werde.

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative räumt ein, dass ihm das bewusst sei. Stallmann hebt aber hervor, dass bislang von ganz anderen Größen ausgegangen worden sei – sowohl bei den Politikern als auch bei den Grundstückseigentümern, die Flächen für die Anlagen verpachten wollten. Ursprünglich seien Anlagen mit einer Gesamthöhe von 199,5 Meter vorgesehen gewesen, die nun geplanten Masten kämen mit Rotoren auf 217 Meter. „Das wären dann definitiv die höchsten Anlagen im Landkreis“, sagt er.

Inzwischen ist die Bürgerinitiative auch im Besitz des Schallgutachtens. Zwar kommt es zu dem Ergebnis, dass „eine unzulässig hohe Belästigung der Anwohner“ unter den bekannten Voraussetzungen ausgeschlossen werden könne, dennoch: Die heimischen Windkraftgegner haben es laut Stallmann Experten ihres Dachverbandes übergeben, die es überprüfen sollten. „Wir haben die Unterstützung eines anerkannten Naturschutzverbandes und sind somit als Träger öffentlicher Belange direkt am Verfahren beteiligt“, ergänzt Stallmann. „Weiterhin verfügen wir somit über das Verbandsklagerecht, um auch natur- und artenschutzrechtliche Belange juristisch durchsetzen zu können, sollte das Klagen gegen erteilte Baugenehmigungen erforderlich werden.“

Am Rande hat sich zuletzt auch die Emmerthaler Politik mit der Frage der Windenergieanlagen beschäftigt. Dabei ging es um die sogenannte Befeuerung der Masten bei Dunkelheit, um mit rot blinkenden Lampen die Sicherheit im Flugverkehr zu verbessern. Rolf Keller (CDU) forderte die Verwaltung auf, im Genehmigungsverfahren auf inzwischen technisch machbare Möglichkeiten zu drängen, die Beleuchtung nur bei Bedarf einzusetzen. Parteikollege Friedrich-Günther Leppel aber wusste, dass diese bei den Anlagen zwischen Grohnde und Kirchohsen vorgesehen seien. Leppel: „Das entspricht den Forderungen der Grundstückseigentümer.“

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