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Politik und Verwaltung halten Vorschläge der Planer für unrealistisch / Blick richtet sich auf Lachemer Forst

Windkraft – Neustart bei Standort-Suche

Aerzen. Um weitere Standorte für Windkraftanlagen zu schaffen, sollen die bislang vorhandenen Vorrangflächen im Bereich der Gemeinde Aerzen untersucht werden. Besonders in den Blick rückt dabei das ehemalige Militärgelände Lachemer Forst, wo nahe Posteholz bereits drei Anlagen seit über zehn Jahren Strom produzieren. Eine mögliche Erweiterung des vorbelasteten Areals wird von Investoren, Politik und Verwaltung favorisiert, sagt Bürgermeister Bernhard Wagner. Nach der Sommerpause soll es dazu ein Abstimmungsgespräch mit allen beteiligten Seiten geben, kündigt er an.

veröffentlicht am 27.06.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 21.04.2015 um 16:17 Uhr

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Wie berichtet, hatte ein Planungsbüro bei einer Untersuchung des Gemeindegebietes nur noch drei neue Bereiche ermitteln können, die unter Einhaltung aktueller Bestimmungen wie beispielsweise Abstände zur Wohnbebauung oder Naturschutz für weitere Windräder in Frage kommen. Dabei handelte es sich um Flächen südlich von Dehrenberg sowie jeweils östlich von Multhöpen und Dehmke. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort Windkraftanlagen hinkommen“, sagt Wagner und verweist auf das Landschaftsbild, das in exponierter Lage zwischen Multhöpen, Königsförde und Groß Berkel beeinträchtigt werde. Das sei auch Meinung der Politik. Zwar sind noch keine Proteste gegen diese Standorte im Rathaus bekanntgeworden, doch befindet sich in diesem Bereich das denkmalgeschützte und aufwendig zum Fünf-Sterne-Hotel hergerichtete Schloss Schwöbber. Und bereits vor knapp zwei Jahren hatten Einwohner von Dehrenberg vor Windkraftanlagen im Bereich ihres Dorfes gewarnt, obwohl damals noch keine weiteren Vorrangflächen geplant waren.

Bislang verfügt die Gemeinde neben dem Windpark Lachemer Forst über Vorrangflächen in Reinerbeck und in Schevelstein, wo allerdings noch keine Anlage steht. Bekanntlich gibt es eine private Initiative von Aerzenern, in eigener Regie Bürger-Windkraftanlagen zu errichten. Nach Angaben von Wagner hat allerdings auch der Investor, der bereits in der Lachemer Forst drei Anlagen betreibt, Interesse an weiteren Windrädern bekundet. Dabei handelt es sich um die Wallenborn Projektentwicklung GmbH mit Sitz in Sachsen, die den seit 2001 bestehenden Windpark 2004 übernommen hat und bundesweit sowie in Kroatien weitere Anlagen betreibt. Die Anlagen in der Lachemer Forst mit einer Gesamtleistung von 4,5 Megawatt haben eine Nabenhöhe von 85 Metern und decken nach Angaben des Betreibers den Strombedarf von etwa 2200 Vier-Personen-Haushalten. Für eine Stellungnahme zu den genauen Plänen ist der Geschäftsführer Hermann Wallenborn in dieser Woche nicht zu erreichen.

Obwohl sich die Aerzener offenbar weitgehend mit den bislang sieben größeren Anlagen im Gemeindegebiet arrangiert haben, spricht der Bürgermeister von einem weiterhin „sensiblen Thema“. Deshalb sei es wichtig, gemeinsam mit der Bevölkerung die weiteren Planungen möglichst in den bereits vorbelasteten Gebieten anzugehen, zumal die Anlagen auch immer größer würden. „Wir wollen aber die Höhe begrenzen“, kündigt Wagner an. „Wir werden sehen, dass das alles verträglich abläuft.“ Allerdings: Ihm ist auch bewusst, dass es noch viele offene Fragen zum Standort Lachemer Forst gebe – beispielsweise, weil es sich außerhalb des früheren Militärgeländes um ein Waldgebiet handele.

Das ist auch Ernst Podewski bewusst, der zusammen mit dem Aerzener Dieter Kropp seit Jahren das Bürger-Windkraftprojekt vorantreibt und die dafür nach eigenen Angaben viele Einwohner als mögliche Geldgeber hinter sich wissen. Die drei zuletzt vorgeschlagenen Vorrangflächen hält Podewski aus technischer Sicht für ungeeignet, auch die Belastung für die Bevölkerung sei zu groß. Die Aussichten, dass die Heeresflieger in absehbarer Zeit ihren Außenlandeplatz auf dem ebenfalls für Windkraft geeigneten Standort auf dem Schierholzberg verlassen, sind jüngst aus Bückeburg als unrealistische eingestuft worden. Deshalb werde die Lachemer Forst favorisiert, meint Podewski. Dort sei die Infrastruktur weitgehend vorhanden, die Bevölkerung werde durch die Waldlage am wenigsten belastet. cb

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