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Forderung nach Erweiterung der Konzentrationsfläche im Ilsetal vom Tisch? Antrag der heimischen Investoren

Windkraft – „mit Fingerspitzengefühl“

Emmerthal. Das geplante Vorranggebiet für Windkraftanlagen in Börry soll nach den Wünschen heimischer Investoren in südöstlicher Richtung verlegt werden. Einen entsprechenden Plan hat Helmut Ellermann von der Windkraft Ilsetal GmbH & Co. KG im Rathaus eingereicht, nachdem die Gemeinde im Juli die drei möglichen Vorranggebiete bei Börry, Lüntorf und Grohnde öffentlich vorgestellt hatte. Ellermann begründete den Schritt auf Nachfrage unserer Zeitung damit, dass die bislang vorgesehene Fläche wegen ungünstiger Windbedingungen unwirtschaftlich sei. Ursprünglich hatte er sich bei der öffentlichen Präsentation Anfang Juli für eine Erweiterung ausgesprochen, was auch später durch einen Antrag des grünen Ratsherrn Thomas Jürgens bekräftigt wurde. Die aktualisierten Pläne sehen jetzt laut Ellermann größere Mindestabstände zu Börry und Bessinghausen vor – statt 750 nunmehr 1000 Meter.

veröffentlicht am 28.08.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 21.04.2015 um 15:29 Uhr

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„Mit Fingerspitzengefühl“ wolle die Windkraft Ilsetal – sie betreibt mit ihren rund 70 überwiegend heimischen Kommanditisten aus dem Bereich Börry seit den neunziger Jahren auch die Anlagen auf dem Kleinen Berg – die weiteren Pläne vorantreiben. Ellermann, neben Jürgen Blickwedel für die Geschäftsführung der Gesellschaft verantwortlich: „Wir wollen auf keinen Fall die Akzeptanz, die wir über die Jahre erreicht haben, gefährden.“ Und schließlich sei es sinnvoller, wenn erneut überwiegend Einwohner aus der Region das Projekt finanzierten und in eigener Regie betrieben, als „wenn auswärtige Investoren uns etwas überstülpen“, begründet der frühere Ortsbürgermeister.

Dass nun die Erweiterung der Vorrangfläche vom Tisch sein könnte, erleichtert seinen Amtsnachfolger Rolf Keller. Über die nun beantragte Verlegung „lässt sich reden“, auch wenn er zum jetzigen Zeitpunkt nicht von einer Zustimmung sprechen will, sagt er. Keller ist nicht nur Ortsbürgermeister von Börry, sondern auch Vorsitzender des Fachausschusses des Gemeinderates, der die Bauleitplanungen für die zusätzlichen drei Konzentrationsflächen begleitet hat. Er erinnert daran, dass Verwaltung und Politik über lange Zeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit um eine Lösung gerungen hätten, um neue Standorte für Windkraftanlagen im gesamten Gemeindegebiet zu finden und als „gemeinsamen Vorschlag“ zu präsentieren. „Und das ist uns fast geglückt“, meint Keller über die drei Konzentrationsflächen im Bereich Börry, Lüntorf und Grohnde. Der Antrag der Grünen, den Standort im Ilsetal zu erweitern, habe schließlich nicht nur ihn überrascht, sagt der CDU-Ratsherr. Was auffällt: Zwar bilden die Grünen eine Mehrheitsgruppe mit der SPD, doch die Fraktion stellte den Antrag nur in ihrem Namen. Jürgens hatte die Ausdehnung der Fläche damit begründet, dem Bürgerwindpark weitere Anlagen zu ermöglichen – eine entsprechende Entscheidung sei „im Interesse der Bürgerschaft“.

Der Argumentation kann Keller so nicht folgen. Als Ortsbürgermeister müsse er auch die Interessen der Gegner im Blick haben, verweist er vor allem auf den Bereich Esperde, wo der Widerstand besonders hoch sei. Dort sind in der Vergangenheit in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Gebiet des Landkreises Holzminden zahlreiche Windräder errichtet worden. „Da ist der Gegenwind groß“, weiß Keller. Wäre die Erweiterung ernsthaft weiterverfolgt worden, hätte der Ortsrat eine vor zwei Jahren zurückgestellte Forderung wieder aufgelegt: eine Bürgerbefragung zur Windkraft durchzuführen.

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Die aktuellen Überlegungen der Gesellschaft Windkraft Ilsetal werden übrigens durch jüngste Entwicklungen gestützt. Ursprünglich wollte das Lemgoer Unternehmen Windmühlen Kontor auf der geplanten Vorrangfläche zwischen Börry und Bessinghausen vier Anlagen errichten – es hat kürzlich seinen Antrag zurückgezogen, wie die Landkreis-Verwaltung bestätigte.

Die Windkraft Ilsetal hatte zunächst fünf Anlagen geplant. In das nun vorgesehene Areal, das sich die Verantwortlichen in südlicher Richtung wünschen, passen wohl „locker drei rein“, meint Ellermann. Für das Projekt solle eine eigene Bürgerwindpark-Gesellschaft gegründet werden. Die Investitionssumme sei zwar noch offen, das Interesse sei aber groß, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Ellermann: „Es gibt sogar eine Warteliste.“ cb

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