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Sogar Stadtwerke Hameln prüfen Standort

Windkraft: Lachemer Forst bei Investoren gefragt

Aerzen/Goldbeck. Der Lachemer Forst entwickelt sich für Windkraft-Investoren zu einem gefragten Filetstück, allerdings: Nach einem Gespräch mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont macht der Aerzener Bürgermeister Bernhard Wagner wenig Hoffnung, dass auf dem ehemaligen Militärgelände bei Posteholz künftig über die bestehenden drei Anlagen hinaus weitere Windräder den vielen Wünschen entsprechend errichtet werden könnten.

veröffentlicht am 03.01.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 21.04.2015 um 16:18 Uhr

Autor:

Christian Branahl und LArs Lindhorst
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Ganz ähnlich ist die Situation im benachbarten Landkreis Schaumburg. Dort gibt es seit Langem Pläne, drei Windkraftanlagen vor den Toren Goldbecks zu errichten. Das Lipper Bergland ist bei Windkraft-Investoren begehrt. Doch die Politik hat zunächst einen Riegel vor alle Planungen geschoben: Zumindest, was die Windräder in Goldbeck betrifft, wird sich vorerst nichts tun. Der Landkreis Schaumburg müsste die entsprechenden Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet löschen. Der Schaumburger Kreisausschuss hat sich im vergangenen Sommer dagegen ausgesprochen.

„Ein ganz schwieriges Thema“, meint Aerzens Bürgermeister unter Hinweis auf das „Regionale Raumordnungsprogramm“ und das Landeswaldgesetz, deren eher enge Auslegung die Landkreisverwaltung ihm noch einmal dargelegt hat. Wie weit im Umfeld des bestehenden Vorranggebietes als früheres Militärgelände weiterhin von einer vorbelasteten Fläche gesprochen werden könne, müsse genau geprüft werden.

Bislang bestehen in dem Lachemer Forst bei Posteholz drei Windräder, die 2001 errichtet worden sind und sich seit 2004 im Besitz der Wallenborn-Gruppe (Sachsen) befinden. Erstmals öffentlich Interesse bekundet an dem Standort hatten die Aerzener Ernst Podewski und Dieter Kropp, die mit zahlreichen weiteren Privatleuten aus dem Gemeindegebiet seit Jahren eine Bürgerwindkraftanlage initiieren wollen. Nach immer wieder erfolgloser Suche hatten sie das bestehende Vorranggebiet ins Gespräch gebracht und sogar erste Verhandlungen geführt.

Nur ein paar Hundert Meter entfernt von dem alten Militärgelände in Posteholz hatte Podewski gemeinsam mit der „Windmühlenkontor GmbH“ aus Lemgo versucht, die Genehmigungen für den Bau dreier Anlagen bei Goldbeck zu bekommen. Die wird es in Goldbeck zumindest nicht geben.

Dem Vernehmen nach und offiziell nicht bestätigt gibt es Planungen der Wallenborn-Gruppe, mehrere zusätzliche Anlagen in dem Waldgebiet errichten zu wollen. Geschäftsführer Hermann Wallenborn wollte zwar zunächst nähere Einzelheiten nennen, vertröstete dann aber auf frühestens Mitte Januar, um einen aktuellen Sachstand zu weiteren Details zu geben.

Zumindest die Stadtwerke Hameln bestätigten als weiterer Investor ihr Interesse an dem Standort. „Eine Projektrealisierung wird derzeit geprüft“, teilte auf Nachfrage Unternehmenssprecherin Natalie Schäfer mit. Als Mitglied des Stadtwerke-Verbunds „TOBI Windenergie GmbH & Co. KG“ investieren die Hamelner bundesweit in Onshore-Windenergieanlagen. „TOBI“ plane, in den kommenden Jahren durch eigene Projektentwicklungen und den Erwerb von bestehenden Windparks weiter zu wachsen. Ziel der Kooperation sei es, bis 2015 circa 70 MW (derzeit 42 MW; entspricht einer Stromproduktionsmenge von etwa 80 Mio. Kilowattstunden pro Jahr) CO2-freien Strom aus Windenergie selbst zu erzeugen. „Das geplante Wachstum lässt sich innerhalb der Kooperation TOBI effizienter und schneller realisieren, als wenn jedes Stadtwerk eigene Projekte entwickeln müsste“, erläutert Schäfer. „Bietet sich die Möglichkeit, kommt auch eine Investition in Windenergieanlagen in unserer Region in Frage.“ Ob das Projekt Lachemer Forst für die „TOBI“ interessant sei, hänge von vielen Faktoren ab, unter anderem von den Bedingungen des neuen Erneuerbare- Energien-Gesetzes.

Aerzens Bürgermeister Wagner bestätigt, bereits mit den drei möglichen Investoren an einem Tisch gesessen zu haben, um die verschiedenen Interessen zu besprechen. Konkrete Bauanträge aber gebe es derzeit nicht.

Bislang habe die Verwaltung den politischen Auftrag gehabt, die bestehenden Vorrangflächen in den Blick zu nehmen, wo beispielsweise noch nicht alle Standorte belegt seien. Zwar zeichne sich für Schevelstein eventuell doch noch eine Lösung ab, allerdings habe man sich besonders auf den Lachemer Forst fixiert. Nun müsse er zunächst erneut mit dem Fachplaner beraten, der für die Verwaltung die Vorranggebiete prüfe.

Dann müsse die Politik vor Ort auch bekunden, „wie weit sie gehen will“. Grundsätzlich stellte Wagner aber klar, dass die Gemeinde seit über zehn Jahren Standort für zahlreiche Windkraftanlagen sei, andere Kommunen im Umland längst noch nicht so weit seien. Der Bürgermeister: „Daran gemessen, haben wir hier eine stabile Situation.“

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