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Investoren wünschen sich Windkraftanlagen / Heeresflieger halten aber an Hubschrauber-Landeplatz fest

Rotoren am Schierholzberg – aber welche?

Aerzen. Die Idee keimte bereits in den 1990er Jahren auf, als die Niederlande das Nato-Militärgelände auf dem Aerzener Schierholzberg aufgaben. In den letzten Monaten kam das Projekt erneut ins Gespräch: Private Investoren aus dem Bereich Aerzen sehen in dem Höhenzug einen idealen Standort, damit sich dort die Rotoren von Windkraftanlagen drehen. Doch auch wenn die Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg dort ihren Außenlandeplatz immer seltener mit ihren Hubschraubern ansteuert: Sie hält am Gelände fest. Es sei für die Ausbildung der Piloten unverzichtbar, erklärte auf Nachfrage Oberstleutnant Frank Friese, Leiter der Flugeinsatzzentrale.

veröffentlicht am 30.05.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 22.04.2015 um 15:35 Uhr

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Dieter Kropp und Ernst Podewski aus Aerzen, die mit Unterstützung von mehr als hundert Einwohnern eine Bürgerwindkraftanlage initiieren wollen, verfolgen mit Interesse die Entwicklung bei den Heeresfliegern. Sie verlegen die Ausbildung immer mehr in Simulatoren, um die Flüge mit Hubschraubern zu üben, außerdem soll in Bückeburg nach den Strukturreformplänen des Verteidigungsministeriums der Standort von gut 1600 auf 1100 Soldaten und Zivilangestellte reduziert werden. Würde dann der Außenlandeplatz in Aerzen noch benötigt? Das Areal wäre zumindest für die Windkraft wirtschaftlich ideal, da das Waldstück als vorbelastet gilt, über ausreichende Höhe und auch Infrastruktur verfügt, wie Podewski argumentiert.

So sahen bereits in den neunziger Jahren die Pläne der Gemeinde Aerzen aus, als der damalige Gemeindedirektor Peter Bartels, schon früh in Sachen Windkraft aktiv, ebenfalls die frühere Raketenbasis der Niederländer aus den Zeiten des Kalten Krieges für erneuerbare Energien nutzen wollte. Sogar ein Windgutachten wurde damals schon in Auftrag gegeben. Doch der Bund, Pächter des 15 Hektar großen Geländes im Besitz der Forstgenossen Groß Berkel, hielt an den Verträgen fest: Seit 1997 fliegen die Hubschrauber der Heeresflieger – auch unter damaligem Protest von Aerzenern und Hamelnern wegen der Lärmbelastung – das Areal oberhalb von Laatzen an.

Und das soll so bleiben, wie es aus Bückeburg heißt. Zwar versetzt das Simulatorzentrum die Hubschrauberpiloten in die Lage, reale Flugstunden zu ersetzen, aber „es gibt technische Grenzen“, sagt Frank Friese. Waren einmal für den Schierholzberg maximal 2000 Flüge jährlich erlaubt, so würden nur noch bis zu 300 benötigt. Im vergangenen Jahr seien es sogar nur um die 100 Flüge gewesen. Zusammen mit dem Außenlandeplatz Reinsdorf verfüge Aerzen aber über die Alleinstellungsmerkmale, klar definierte kleine Landeräume bei exponierter Höhenlage mit schwierigen Windverhältnissen Tag und Nacht anfliegen zu können, erklärt der Oberstleutnant. Das seien keine Flüge für Anfänger, um in schwierigem Gelände zu landen und zu starten, sondern sie finden immer erst zum Abschluss der Ausbildungslehrgänge statt. Das lasse sich auch mit modernster Technik eines Simulatorzentrums nicht ersetzen, sondern sei nur in der Praxis in ausgewählten Gebieten möglich, sagt Friese. Dies diene als Vorbereitung auf die weitere Ausbildung im Gebirge, um sich auf schwierige topografische Verhältnisse bei Auslandseinsätzen vorzubereiten. Hubschrauberpiloten müssten in der Lage sein, Soldaten in schwieriges Gelände zu bringen und Verletzte zu bergen. Auch durch die Strukturreform erwartet er keine großen Änderungen, da Bückeburg internationales Ausbildungszentrum werde – derzeit, berichtet Friese, seien Schweden vor Ort.

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  • Vorrang für Rotoren von Hubschraubern oder Windrädern? Piloten üben den Landeanflug am Aerzener Schierholzberg. Foto: Archiv

Bürgermeister Bernhard Wagner weiß von den jährlichen Treffen der Standortkommunen mit den Heeresfliegern, an denen auch die Gemeinde Aerzen teilnimmt, dass am Außenlandeplatz festgehalten werden soll. Trotz guter Voraussetzungen als Windkraftstandort sei der Schierholzberg in den neunziger Jahren nicht als Vorrangfläche ausgewiesen worden, obwohl die Gemeinde gerade vorbelastete Waldflächen wie mit dem früheren Munitionsdepot zwischen Posteholz und Wahrendahl bevorzugt hat, wo drei Windräder stehen.

Ein Planungsbüro wird am Dienstag der Politik in Aerzen weitere mögliche Standorte vorstellen, die unter den heutigen Bestimmungen wie beispielsweise Abständen zur Wohnbebauung als Vorranggebiete zusätzlich ausgewiesen werden könnten. Selbst wenn der Landeplatz auf dem Schierholzberg aufgegeben werde, sei es für ihn fraglich, ob er für Windkraftanlagen in Frage käme, meint der Bürgermeister. Für weitere Vorranggebiete in Aerzen aus Sicht des Planungsbüros lässt Wagner durchblicken: „Viele Möglichkeiten gibt es nicht.“

Von Christian Branahl

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