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Betreiber der Anlagen bei Börry hoffen sogar auf mehr Platz für Rotoren

Kaum Gegenwind für Windkraft-Pläne

Emmerthal. Für eine Ausschusssitzung, in der es um die Ausweisung von neuen Flächen für mehrere Windparks auf der Gemeinde des Fleckens Emmerthal ging, blieb es nach dem Vortrag von Dr. Alexander Reiß vom Berliner Planungsbüro Plan und Recht GmbH bemerkenswert ruhig. Die Fragen der gut 50 anwesenden Einwohner bezogen sich bis auf eine Ausnahme lediglich auf die Größe der sogenannten Konzentrationsfläche A zwischen Börry und Bessinghausen.

veröffentlicht am 04.07.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 21.04.2015 um 15:30 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Insbesondere Helmut Ellermann, früher selbst Ortsbürgermeister von Börry und jetzt Vorsitzender des Beirats der Gesellschaft Bürgerwindpark Ilsetal, forderte eine deutliche Vergrößerung in Richtung Südosten, um auf dem Areal mehr als nur drei bis vier Windkraftanlagen unterbringen zu können. „Ich habe der Gemeindeverwaltung schon im Jahr 2012 Pläne vorgelegt, wie der Windpark gestaltet werden könnte“, erklärte Ellermann, „seitdem ist viel Zeit vergangen.“ Auch der aus Börry kommende Grüne Tom Jürgens forderte eine Ausweitung des Gebiets in Richtung Süden und stimmte am Ende als einziges Ratsmitglied dagegen, die Vorlage zur Änderung des Flächennutzungsplanes „billigend“ zur Kenntnis zu nehmen.

Die Sitzung des Ausschusses für Ordnung, Liegenschaften, Brandschutz und Bauen am Donnerstagabend in der Kulturhalle war unter Beteiligung der vier Ortsräte von Amelgatzen, Börry, Emmerthal und Grohnde anberaumt worden, um die gesetzlich vorgeschriebene frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit an der Änderung des Flächennutzungsplanes in die Realität umzusetzen. Reiß erläuterte in einem längeren Vortrag zunächst die Kriterien, die zur Auswahl der drei Konzentrationsflächen geführt hatten. Die Grundbedingungen waren zum einen eine Mindestentfernung von 1000 Metern von den nächsten Siedlungen einschließlich etwaiger zu den Häusern gehörenden Gärten, zum anderen aber auch eine möglichst geringe optische Belastung für die Bewohner. So soll beispielsweise vermieden werden, dass die Menschen sich von den Windkraftanlagen eingekreist fühlen. Ein Grund, weshalb ein Teil der zuvor identifizierten potenziellen Flächen für Windkraftanlagen bei dem im Jahr 2012 begonnenen Verfahren schnell wieder aus dem Rennen waren. Mit der Ausweisung einzelner Konzentrationsflächen will der Gesetzgeber einerseits verhindern, dass die Landschaft durch willkürlich errichtete Windanlagen zersiedelt wird, andererseits aber auch, dass eine Gemeinde eine „Verhinderungsplanung“ betreibe, wie Reiß erklärte. Außerdem setze Niedersachsen im Rahmen seiner Klimaschutzpläne darauf, dass sich jede Gemeinde an der Erzeugung erneuerbarer Energien durch die Kraft des Windes beteilige.

 

Konflikt zwischen erneuerbaren Energien

und Suedlink-Trasse

Klare Kriterien, in welchem Umfang dies zu geschehen habe, gebe es nicht, beantwortete Reiß die Frage eines Zuhörers. „Da muss sich eine Gemeinde mit ihrer Planung herantasten.“ Immerhin liege der Gemeinde Emmerthal mit den ausgewiesenen Flächen über den ungefähren Zielvorgaben der Landesregierung und werde mit 40 bis 45 Megawatt (MW) mehr Strom aus Windkraft erzeugen, als der Flächenanteil der Gemeinde am Land Niedersachsen heruntergerechnet ergebe. Bei mehr als 14 000 MW, die Niedersachsen durch Windparks erzeugen wolle, ergäben sich für Emmerthal nur 34 MW.

Keine Veränderungen wird es nach der laufenden Planung für die Windkraftanlage „Kleiner Berg“ geben, die vom Bürgerwindpark Ilsetal betrieben wird. Die dort stehenden Windmühlen haben eine Größe von rund 85 Metern. Neue, moderne Windkraftanlagen erreichen dagegen mittlerweile eine Gesamthöhe von bis zu 200 Metern, drehen sich aber aufgrund ihrer Größe deutlich langsamer als bislang erbaute Modelle. Auf der Konzentrationsfläche A könnten nur zwei Anlagen dieser Größenordnung errichtet werden, erklärte Reiß. Bei einer Größenordnung von 150 Meter Gesamthöhe könnten es drei bis vier Anlagen werden. Insgesamt könnten auf den drei Konzentrationsflächen zwischen Börry und Bessinghausen, bei Grohnde und bei Lüntorf neun bis elf Anlagen errichtet werden.

Zur Festlegung der Planungskriterien sprach Reiß von einer klaren Unterscheidung zwischen „harten und weichen Tabus“. Ein hartes Tabu für ein Gebiet bedeute, dass dort aus gesetzlichen Gründen unter keinen Umständen eine Windkraftanlage errichtet werden dürfe. In den Zonen mit „weichem Tabu“ habe die Gemeinde dagegen einen Gestaltungsspielraum. So sei es ein „hartes Tabu“, dass eine Windkraftanlage mindestens 400 Meter Abstand von der nächsten Siedlung entfernt sein muss. Aufgrund der denkbaren Größe der neuen Anlage habe die Gemeinde sich für eine Aufstockung dieser Entfernung um 600 Meter entschieden. „Darunter werden wir nicht gehen“, betonte Reiß zu den Forderungen, die Konzentrationsfläche A zu vergrößern.

Dass die von Tennet geplante Gleichstromtrasse Südlink die Planungen tangieren könnte, ist Reiß klar. „Wir werden Tennet in dem jetzt angelaufenen Beteiligungsverfahren ebenso zu einer Stellungnahme auffordern wie zum Beispiel die Naturschutzverbände.“ Sollte das Konzentrationsgebiet A Realität werden, könne es sein, dass Südlink näher an Börry heranrücken werde. Das habe ihm ein Tennet-Vertreter erklärt, berichtete der Ausschussvorsitzende Rolf Keller.

Eine Warnung für Eigentümer möglicher Windkraftflächen war Bürgermeister Andreas Grossmann am Ende besonders wichtig: „Schließen Sie jetzt noch keine Grundstückssicherungsverträge ab“, erklärte er. Noch sei die Planung nicht abgeschlossen und auch nicht klar, wer am Ende investieren werde. Bis die Planung abgeschlossen ist, wird noch mindestens ein Jahr vergehen.

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