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Geplante Anlagen sorgen für Unmut

Kampf gegen Windkraft

GROHNDE. Die Pläne für die acht Windkraftanlagen zwischen Kirchohsen und Grohnde haben weiterhin mit mächtigem Gegenwind zu kämpfen. Das wurde auch in der Sitzung des Ortsrates Grohnde deutlich, wo viele Bürger im bis auf den letzten Platz besetzten Café des Dorfladens ihren deutlichen Unmut zu diesem Projekt zum Ausdruck brachten. Ob eine Klage gegen den Genehmigungsbescheid vor dem Verwaltungsgericht, von dem der 1. Vorsitzende der Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Emmertal“, Stephan Stallmann, berichtete, etwas bewirken kann, bleibt abzuwarten. Eine erste Entscheidung hierzu solle Ende des Monats fallen.

veröffentlicht am 10.03.2017 um 20:22 Uhr
aktualisiert am 14.03.2017 um 10:34 Uhr

Erste vorbereitende Baumaßnahmen (Bohrungen) im Bereich des Vorranggebietes haben begonnen. Foto: tis
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Friedrich-Wilhelm Thies Reporter
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Zunächst einmal hatte der Erste Gemeinderat in Emmerthal, Elmar Günzel, Auszüge aus dem Genehmigungsbescheid des Landkreises Hameln-Pyrmont als zuständige Behörde vorgestellt. Danach darf die Firma „Ebert Erneuerbare Energien“ acht Windkrafträder mit einer Nabenhöhe von 149 Metern und einer Gesamthöhe von 217 Metern zwischen Kirchohsen und Grohnde errichten. „Fünf Windräder davon stehen dann auf Grohnder Gebiet. Und alle haben einen Mindestabstand von 1000 Metern zur nächsten Wohnbebauung“, sagte Günzel. In der eigentlich noch gar nicht unterbrochenen Sitzung malte der 1. Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen die Windkrafträder dann ein düsteres Bild über die Windenergie im Allgemeinen und für Grohnde. Alle hätten unter den riesigen Windrädern zu leiden, Natur, Umwelt und insbesondere die Bürger. Von verminderter Lebensqualität und einem Verfall der Werte von Häusern und Grundstücken sprach der BI-Vorsitzende, aber auch von Energie-Müll, der hier produziert werde, und er prognostizierte dem Windenergie-Unternehmen, in fünf Jahren pleite zu sein. Die Grohnder Bürger warnte er davor, in dieses Projekt zu investieren, und riet ihnen zu einer Versicherung, um später gegen die Betreiber vorgehen zu können, wenn es zu Problemen mit Schalldruck, Lärm oder Schlagschatten käme.

Ich habe vor vielen Jahren hier ein Haus am Ortsrand gebaut, weil ich den freien Blick in die Natur genießen wollte. Nun muss ich mit den Windrädern im Abstand von 1000 Metern leben.

Martin Delker, Ehemaliger Gemeindedirektor

Für Stephan Stallmann – im Gegensatz zum Ersten Gemeinderat Günzel – ist die Genehmigung auch noch nicht rechtsgültig, weil es eine Klage dagegen vor dem Verwaltungsgericht gibt. „In zwei bis drei Wochen erwarten wir eine erste Entscheidung, eventuell mit einer aufschiebenden Wirkung“, so Stallmann. Selbst ein Normenkontrollverfahren schloss er nicht aus. Auch Martin Delker meldete sich zu Wort mit dem ausdrücklichen Hinweis, dies nicht als ehemaliger Gemeindedirektor, sondern als betroffener Bürger zu tun: „Ich habe vor vielen Jahren hier ein Haus am Ortsrand gebaut, weil ich den freien Blick in die Natur genießen wollte. Nun muss ich mit den Windrädern im Abstand von 1000 Metern leben.“ Er könne vieles nicht verstehen, etwa, warum die Gemeinde im Gegensatz zu den anderen Städten und Gemeinden im Landkreis eine so große Fläche ausgewiesen habe und das auch noch in einem Vorranggebiet für Trinkwasser. Auch fragte sich Delker, ob hier nicht wirtschaftliche Interessen vor denen des Allgemeinwohls gestellt worden seien. „Ich vertraue jetzt auf die Neutralität des Gerichts, dass all die Fakten abwägen wird und dann hoffentlich zu einem gerechten Urteil kommt“, erklärte Delker unter dem Applaus der Anwesenden. Ein Grohnder Bürger vermisste allerdings einen massiven Protest zu Anfang des Verfahrens. „Bei der geplanten Stromtrasse Südlink gab es einen gewaltigen Aufschrei quer durch die Gemeinde mit jeder Menge Protest. Den habe ich hier gar nicht mitbekommen, sondern erst davon erfahren, als alles schon zu spät war“, führte der Grohnder aus.

Auch Uwe Klüter als ehemaliges CDU-Gemeinderatsmitglied vertrat die Meinung, das Kind sei schon in den Brunnen gefallen. Er sorgte sich um das Trinkwasser für 6000 Emmerthaler, das in dem Bereich gewonnen wird. Zumal er gehört habe dass die Firma Ebert Erneuerbare Energien gegen eine Auflage des Landkreises, was den Trinkwasserschutz betrifft, Einspruch eingelegt habe. Dazu konnte Günzel berichten, dass es hier wohl darum gehe, dass auch große Arbeitsmaschinen nicht im Bereich des Trinkwassereinzugsgebietes betankt werden dürfen. Das bedeutet für die Baufirmen aber einen erheblichen Aufwand, der als unwirtschaftlich angesehen wird, da zum Beispiel ein riesiger Mobilkran nicht einfach zum Betanken einige Kilometer fahren könnte. Abschließend wunderte sich Hubert Hennig, da es sich hier doch um eine Ortsratssitzung handele, dass sich zwar viele Bürger zu Wort gemeldet hätten, die Mitglieder des Ortsrates aber bislang gar nichts zu dem Thema gesagt hätten.

Hans-Helmut Scheel (CDU) führte dann dazu aus, dass man damals vom Bund dazu aufgefordert gewesen sei, Vorranggebiete für Windkraftanlagen auszuweisen. Dazu habe es ein langwieriges Planfeststellungsverfahren geben, bei dem jeder seine Bedenken einbringen konnte und viele dies auch getan hätten. „Wir und auch ich haben uns die Entscheidung dazu nicht leicht gemacht. Aber wir mussten dieses Vorranggebiet ausweisen, um zu verhindern, dass überall in der Gemeinde Windkrafträder errichtet werden können“, erklärte Scheel. Das betreffe dann den einen natürlich mehr, den anderen weniger oder gar nicht. Aber das sei im Leben nun mal so, stellte das Ortsratsmitglied fest.

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