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Planungsbüro stellt neue Flächen für Windenergie vor

Bürger kritisieren Abstand zu Anlagen

AERZEN. Mit einem so großen öffentlichen Interesse hatten Politik und Verwaltung anlässlich der Bauausschusssitzung zum Thema Windkraft offensichtlich nicht gerechnet. Mögliche Standorte für weitere Anlagen in Aerzen wurden vorgestellt - und stießen nicht unbedingt auf Zustimmung.

veröffentlicht am 26.04.2017 um 18:21 Uhr
aktualisiert am 27.04.2017 um 18:42 Uhr

Windkraft im Flecken Aerzen - die zur Diskussion stehenden Flächen sorgen für heftige Kontroversen. Foto: dpa
59.225-02

Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Die für gewöhnlich bei Ausschuss- oder Orts- und Ratssitzungen nur spärlich besetzten beiden Besucherreihen reichten bei weitem nicht aus, um den zahlreichen Bürgern, die sich auf den Weg ins Aerzener Rathaus gemacht hatten, Platz zu bieten. Noch größer als das öffentliche Interesse am Thema Windenergie war aber die Verwunderung vor allem der anwesenden Mitglieder der Bürger-Energie Hummetal eG darüber, dass die mit der Untersuchung zur Neuausweisung von Flächen für Windenergieanlagen im Flächennutzungsplan des Flecken Aerzen beauftragte Planerwerkstatt 1 aus Hannover den von der Bürgerenergiegenossenschaft gefundenen möglichen Windparkstandort südwestlich von Grießem gar nicht als Vorranggebiet auf dem Plan hat.

Vonseiten des Planungsbüros werden hingegen die vorhandenen Flächen östlich von Reinerbeck und im Lachemer Forst für ausbaufähig erklärt sowie zwei neue Flächen südlich von Dehrenberg und zwischen Groß und Klein Berkel als für die Windkraftgewinnung geeignet ausgewiesen. „Der detailliert vorgetragene Schlussbericht geht sehr gut auf die in der Zwischenzeit geänderten Planungsvorgaben ein“, sagt Aerzens Bürgermeister Bernhard Wagner.

Allerdings hielt die jüngste Untersuchung mindestens in einem Punkt einer kritischen Hinterfragung nicht stand. In der neu überarbeiteten Version wurde ursprünglich lediglich eine fehlende Fläche von 27 Hektar ausgewiesen, um die insgesamt vom Flecken Aerzen benötigten 113 Hektar Vorrangfläche zu erreichen. Dieser Fehlbestandswert musste aber nach Hinweisen nachträglich kurzfristig auf immerhin 78,5 Hektar Fläche angehoben werden, wie Planer Reinhard Preis erklärte. Insgesamt werden im Flecken bisher lediglich 34,5 Hektar Flächen zur Windenergiegewinnung genutzt.

Das Thema Windenergie stieß auf großes Interesse. Foto: sbr
  • Das Thema Windenergie stieß auf großes Interesse. Foto: sbr

Die Antwort auf die Frage aus dem Publikum, bis wann die Vorgaben erreicht werden müssen, blieb Reinhard Preis schuldig, obwohl der aktuelle Windenergieerlass eine Erfüllung der Zielvorgabe bis 2050 vorsieht. Auch wollte er sich nicht darauf festlegen lassen, wie viele Anlagen letztendlich die Fehlfläche von 78,5 Hektar in der Landschaft bedeuten. Hartmut Hahn von der Bürgerenergiegenossenschaft Hummetal eG kritisierte, dass seiner Ansicht nach die weichen Abstandszonen in dem Gutachten nicht ausreichend Berücksichtigung finden. Dabei ging es ihm vor allem um die Berücksichtigung zusätzlicher Abstände von 300 bis 600 Metern zur Wohnbebauung, damit Anwohner in den umliegenden Ortschaften, Splittersiedlungen und Einzelhäusern besser geschützt werden. Der Mindestabstand, den der neue Erlass vorgibt, beträgt 400 Meter, was vom Publikum mit Bestürzung aufgenommen wurde.

Auch der Planer hat in einzelnen Bereichen zusätzliche Pufferzonen in seine Ergebnisberechnungen einfließen lassen, führte aber auch aus, dass Mischgebiete anders anzusehen seien als reine Wohngebiete. Bürgermeister Bernhard Wagner machte deutlich, dass auch ihm die Mindestabstände, die der niedersächsische Windenergieerlass vorgibt, in der Realität zu gering erscheinen. Er wies darauf hin, dass laut seinem Kenntnisstand in der Nachbargemeinde Emmerthal beispielsweise ein Abstand von 1000 Metern gilt.

Ein anderer Aspekt in die Ermittlung der neu gefundenen Fläche südlich von Dehrenberg ist noch gar nicht eingeflossen: Hier verläuft eine Tiefflugstrecke der Bückeburger Heeresflieger. Eigentlich Grund genug, um diesen Bereich aus der Planung für den Bau von Windkraftanlagen herauszunehmen. Planer Preis hat laut seiner Ausführungen die Erfahrung gemacht, dass sich das Militär auf Anfrage dazu nicht äußert und aus diesem Grund auch nicht frühzeitig in die Planung einbezogen werden kann.

Was den Standort „Lachemer Forst“ betrifft, dessen Bewertung letztlich der Grund für die kurzfristige Korrektur der ermittelten Flächen war, hat die Bürgerenergiegenossenschaft bereits im vergangenen Jahr zusammen mit Bürgermeister Wagner vergeblich versucht, auf Basis des vorhandenen Flächennutzungsplanes die im Wald liegende 200-Meter-Abstandsfläche für Windenergiegewinnung nutzbar zu machen. Ungeachtet dieser Tatsache war der Randstreifen trotzdem in die Flächenermittlung des überarbeiteten Gutachtens eingeflossen. Wagner bestätigt, dass der Landkreis eine Einbeziehung der Randzone des ehemals militärisch genutzten Geländes abgelehnt hat.

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