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Genehmigungsverfahren für acht Anlagen in Emmerthal / Wichtiger Termin steht in einer Woche bevor

217 Meter hohe Windräder: Entscheidung rückt näher

EMMERTHAL. Heftige Kritik gibt es in Emmerthal gegen acht Windkraftanlagen, die ein Unternehmen mit 217 Meter Höhe plant. Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren, bei dem Einwohner, Behörden, Vebände und Dienstanbieter Gelegenheit hatten, Stellungnahmen abzugeben. Am 10. November kommen alle Argumente auf den Tisch.

veröffentlicht am 02.11.2016 um 12:45 Uhr
aktualisiert am 18.11.2016 um 10:28 Uhr

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Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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. Aus politischer Sicht kehrte zuletzt fast Ruhe ein beim Thema Windkraft, nachdem vor gut einem Jahr drei zusätzliche Konzentrationsflächen in der Gemeinde Emmerthal ausgewiesen worden waren. Nun blicken viele Einwohner auf die kommende Woche, wenn es um die acht geplanten Windkraftanlagen im Bereich Kirchohsen/Grohnde geht. Beim sogenannten Erörterungstermin des Landkreises als Genehmigungsbehörde kommen am Donnerstag, 10. November, alle Argumente auf den Tisch. Allein von den Einwohnern sind 49 Stellungnahmen eingereicht worden, wie der Landkreis auf Nachfrage mitteilt. Sie richten sich im Wesentlichen gegen die Schallbelastung, die optisch bedrängende Wirkung der Windenergieanlagen und den Schattenwurf, befassen sich mit Trinkwasserschutz, Gesundheitsschutz sowie natur- und landschaftsschutzfachlichen Belangen, wie Nikola Stasko als stellvertretende Sprecherin der Behörde erläutert.


Was planen die Investoren?
Bekanntlich hat die Firma Ebert Erneuerbare Energien mit Sitz in Cremlingen bei Braunschweig beim Landkreis den Antrag gestellt, insgesamt acht Anlagen vom Typ Vestas V 136 mit einer Nennleistung von 3,45 Megawatt zu errichten und zu betreiben. Wie berichtet, handelt es sich dabei zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht nur um eine der modernsten, sondern auch mit um die zu den höchsten zählenden Anlagen. Mit einer Nabenhöhe von 149 Meter und einem Rotordurchmesser von 136 Meter erreichen sie eine Gesamthöhe von 217 Meter.


Wie positionieren sich die Kritiker der Bürgerinitiative?
Die Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Emmertal“ macht massiv Front gegen die Pläne und will in diesem Gebiet alle Anlagen verhindern. Die Mitglieder haben zum einen als Privatpersonen Stellungnahmen abgegeben, aber auch über den Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen e.V., der am Planungsverfahren beteiligt wird. Dabei wollen sie nichts dem Zufall überlassen. Wie Vorsitzender Stephan Stallmann berichtet, hat sich die Bürgerinitiative mit drei Experten sachkundigen Beistand geholt, die sie bei dem Termin in der nächsten Woche im Emmerthaler Rathaus vertreten. Erwartet wird der Rechtsanwalt Armin Brauns aus dem bayrischen Dießen, der sich nach eigenen Angaben seit 1999 darauf spezialisiert hat, gegen den Bau und Betrieb von Windkraftanlagen vorzugehen und seit einem Jahr auch die Emmerthaler Kritiker vertritt. Hinzu kommt Prof. Dr. Lothar W. Meyer. Im Gegensatz zu dem Gutachter der Investoren, die kaum negative Folgen durch Schallimmissionen erwarten, kommt er zu dem Ergebnis, dass die acht Anlagen nachts abgeschaltet werden müssten. Außerdem hält er laut Bürgerinitiative das TÜV-Gutachten zu Eiswurf und Rotorblattbruch für mangelhaft. Ebenfalls in der Windkraftgegnerszene bekannt ist Dr. Matthias Schreiber, der ein ornithologisches Gutachten vorstellt. Stallmann: „Ich gehe davon aus, dass der Landkreis deren Argumente ernst nimmt.“


Was ist die Grundlage des Verfahrens?Sämtliche Antragsunterlagen mit Erläuterungen, Plänen und Gutachten, darunter auf Grundlage der Größe des Windparks auch die geforderte umfangreiche Umweltverträglichkeitsstudie, waren im Sommer für einen Monat öffentlich im Rathaus Emmerthal und beim Landkreis in Hameln ausgelegt worden. Nicht nur die Einwohner konnten in dem Verfahren ihre Einwände geltend machen. Der Landkreis habe 49 sogenannte Träger öffentlicher Belange, wie beispielsweise Behörden, Verbände und Dienststellen, deren Aufgabenbereich durch das Vorhaben berührt werden, aufgefordert, zu dem Genehmigungsantrag eine Stellungnahme abzugeben, erläutert Stasko. Das weitere Verfahren sieht den Erörterungstermin am 10. November vor, bei dem die Beteiligten die Möglichkeit haben, ihre Einwendungen zu erläutern. „Die Genehmigungsbehörde hat die erhobenen Einwendungen mit dem Antragsteller und den Einwendern zu erörtern, soweit dies für die Prüfung der Genehmigungsvoraussetzungen von Bedeutung sein kann“, erläutert die Behördensprecherin. „Sie soll durch die Erörterung der Einwendungen ein umfassendes Bild des Sachverhaltes gewinnen, um eine objektive Beurteilung der Genehmigungsfähigkeit sowie den Ausgleich widerstreitender Interessen zu ermöglichen.“


Wie positioniert sich der Nabu? Zu den Verbänden, die sich zu den Planungen äußern, gehört der Nabu Emmerthal. Vier Standorte würden abgelehnt, erklärt Oliver Gockel. Bundesweit gilt der Nabu nach eigenen Angaben als Deutschlands mitgliederstärkster Umweltverband. Bei den Planungen gehe es nicht „um Fundamentalopposition“. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Windkraft“, sagt Gockel, der übrigens als SPD-Ratsherr gegen die Konzentrationsflächen der Gemeinde gestimmt hat. Grund: vor allem die als ungeeignet angesehene Fläche in Lüntorf. Die vier der im Bereich Kirchohsen/Grohnde abgelehnten Anlagen seien jene, die sehr waldnah und am höchsten gelegen seien, so Gockel. Hinzu kämen unter Hinweis auf den Roten Milan und Fledermäuse artenschutzrechtliche Gründe. Außerdem kritisiert er die Höhe, die deutlich über den Scharfenberg hinausgingen und auf der anderen Seite aus Denkmalschutzgründen sogar das Schloss Hämelschenburg beeinträchtigen könnten. Manchmal habe er schon „schon das Gefühl, dass manches schöngeredet wird“, meint der Nabu-Vertreter mit Blick auf die Planungen – und fordert mehr Augenmaß. Für vier der Anlagen gebe es jedoch keine grundsätzliche Ablehnung. „Damit könnten wir leben. Gockel: „Wenn wir die Energiewende wollen, dann müssen wir auch andere Gewinnungsformen akzeptieren.“


Und wie geht es nach dem Erörterungstermin in der nächsten Woche weiter? Laut Landkreis führt die Genehmigungsbehörde eine abschließende Prüfung des Vorhabens im Hinblick auf seine Genehmigungsfähigkeit durch. Sprecherin Stasko: „Zum derzeitigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass das Genehmigungsverfahren Mitte Dezember abgeschlossen sein wird.“

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