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Auf zahlreichen Sportplätzen im Kreis ist Ruhe eingekehrt

Verlassene Fußballplätze: „Schön war die Zeit ...“

Weserbergland. An den legendären Hamburger Rothenbaum, den Horeb in Pirmasens, den Bökelberg in Mönchengladbach oder den gefürchteten Donnerschwee in Oldenburg können sich heute wohl nur noch Fußball-Nostalgiker erinnern. Die einst so geschichtsträchtigen Fußballplätze wurden plattgemacht, teilweise sind sie von der Bildfläche total verschwunden. Doch man muss gar nicht so weit in die Ferne schweifen. Sie liegen vor der Haustür – die Fußballplätze, auf denen niemand mehr zur Grätsche ansetzt und längst kein Tropfen Schweiß mehr fließt.

Autor

Klaus Frye Sportreporter zur Autorenseite

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An den legendären Hamburger Rothenbaum, den Horeb in Pirmasens, den Bökelberg in Mönchengladbach oder den gefürchteten Donnerschwee in Oldenburg können sich heute wohl nur noch Fußball-Nostalgiker erinnern. Die einst so geschichtsträchtigen Fußballplätze wurden plattgemacht, teilweise sind sie von der Bildfläche total verschwunden.

Doch man muss gar nicht so weit in die Ferne schweifen. Sie liegen vor der Haustür – die Fußballplätze, auf denen niemand mehr zur Grätsche ansetzt und längst kein Tropfen Schweiß mehr fließt. In den Großstädten wurden neue Stadien gebaut, im Kreis Hameln-Pyrmont taten die Einrichtungen von neuen Sportplätzen aber nicht mehr not! Die Anzahl der Vereine ist in den vergangenen Jahren immer überschaubarer geworden, die negative Tendenz hält an. Dadurch fällt in einigen Orten auch der sonntägliche Gang zum Sportplatz weg. Mit dem Thema Fußball beschäftigen sich in den betroffenen Dörfern und Gemeinden unserer Region nur noch die Vereinschronisten. „Schön war die Zeit ...“ heißt es an den Stammtischen, wenn Meisterschaften und große Siege – an Niederlagen kann sich eh kaum jemand erinnern – noch einmal für jede Menge Gesprächsstoff sorgen.

Für das wohl bitterste Kapitel sorgt das Waldstadion in Hessisch Oldendorf. Dort weht der Wind über eine Spielstätte, die Geschichte in der norddeutschen Fußballszene geschrieben hat. Hier kreuzte der TuS mit bekannten Spielern wie Günter „Auge“ Buchholz, Torjäger Roland Giehr oder Reinhard „Gento“ Loges in der Amateuroberliga Nord – ehemals Deutschlands dritthöchste Spielklasse – mit Vereinen wie FC St. Pauli, VfL Wolfsburg, VfB Oldenburg oder SV Meppen die Klingen. Doch regelmäßig zum Einsatz kommt am Barksener Weg heute nur noch der Rasenmäher. Na, immerhin. Selbst die Terrasse über dem kleinen Klubgebäude ist gesperrt – Einsturzgefahr! Es herrscht absolute Stille. Und der TuS Hessisch Oldendorf ist inzwischen sogar aus dem Vereinsregister gestrichen worden.

  • Trüber Blick von oben auf den Sportplatz in Lichtenhagen.
  • Fußball auf dem Platz in Benstorf-Oldendorf ist Geschichte.
  • Im Stadion des MTV Coppenbrügge rollt der Ball nur noch selten.
  • Höfingen – eine sportliche Idylle mit schiefstehenden Toren.

Nur wenige Kilometer weiter sieht die Fußballwelt genauso düster aus. In Höfingen erinnern nur zwei schon etwas schiefstehende Aluminiumtore daran, dass hier die Sportfreunde an so manchem Wochenende die dörfliche Idylle durchaus schon mal zum Kochen brachten. „Rustikale Gangart, derbe Sprüche“ – am Nährenbach ging es zur Sache. Auch in den letzten Jahren, als Rot-Weiß Hessisch Oldendorf mit seinen Heimspielen dem Höfinger Geläuf ein wenig fußballerisches Leben einhauchte. Doch inzwischen ist auch Rot-Weiß nur noch Geschichte.

Die Rundreise quer durch den Landkreis stimmt die Fußballfans auch in Bad Münder wenig hoffnungsvoll. Die rote Asche des Anger-Sportplatzes, auf dem die TuSpo-Kicker zu ihren besten Zeiten viele Jahre in der Bezirksliga spielten, ist kaum noch zu erkennen. Statt Patina hat reichlich Moos die traditionsreiche Stätte überzogen. Und von einem regen Treiben „mit der Pille“ ist auch im nahe gelegenen Jahnstadion nicht mehr viel zu spüren. In Bad Münder kochen die Fußballer auf Sparflamme. So halten hier die kampferprobten Altsenioren und zwei Nachwuchsteams die blaugelbe Fahne hoch.

Information

Erinnern Sie sich noch?

  • Hindenburg-Stadion, Hameln – wurde 1961/62 in den heutigen Bürgergarten umgestaltet
  • Sportplatz Holzhausen – der Platz an der Winzenbergstraße im Pyrmonter Stadtteil wurde bereits 1944 eingeebnet und mit Behelfswohnheimen bebaut
  • Sportplatz Emmerthal – die Kampfstätte der Hand- und Fußballer glänzte mit schwarzer Kohlenasche und lag direkt an der Hauptstraße und fast neben der Bahnstrecke
  • Sportplatz am Wittekindbad – direkt neben dem ehemaligen Hamelner Schwimmbad war auch die einstige Spielstätte der TC-Handballer zu finden
  • Sportplatz Afferde – der Aschenplatz lag nahe der Remte, gespielt wurde dort bis Mitte der 1970er Jahr
  • Sportplatz Hämelschenburg – auf dem Platz an der Hauptstraße (mit leichter Schräglage), wo lange Jahre die Hand- und Fußballer aufliefen, wächst heute Getreide

Die Tour geht weiter in den Ostkreis. Sportlich gilt der Fußball rund um den Ith zwar immer noch als die absolute Nummer eins, doch hier und da geht ihm die Luft aus. Äußerst dünn ist sie in Coppenbrügge geworden. Die „Kampfbahn Rote Erde“, wie die ehemaligen MTV-Bezirksligahelden Paul Honke, Willi „Menne“ Piel oder Torhüter Erhard „Bolle“ Boos ihren Aschenplatz immer noch gerne nennen, ist mit Gras und Unkraut überwuchert. Und selbst im Werner-Düwel-Stadion ist nicht mehr viel los. Die Altliga und zwei, drei Jugendmannschaften sorgen dafür, dass der Platzwart nicht zum Alleinunterhalter mutiert. Völlig brach liegt dagegen die Arena des TSV Benstorf/Oldendorf. Hier hat „König Fußball“ den Thron längst geräumt. Die Tore sucht man vergeblich, der Platz gleicht eher einer Kuhwiese. „Da haben schon Schafe drauf geweidet“, sagte Dietmar Philipp, der viele Jahre die Fußballschuhe für den TSV geschnürt hat. „Das ist schon bitter, wenn man sieht, dass hier kein Fußball mehr gespielt wird, und was aus dem Platz geworden ist.“

Fast gänzlich eingeschlafen ist der Spielbetrieb auch auf dem Sportplatz in Amelgatzen. Bei den Sportfreunden sind es nur noch die Altherren, die bei sechs oder sieben Heimspielen im Jahr den Rasen strapazieren. Die letzte Etappe führt auf die Ottensteiner Hochebene und in den Fußballkreis Holzminden, wo es vor wenigen Jahren beim TSV Lichtenhagen hieß „Der Letzte macht das Licht aus“. Das Sportheim dicht, die Tore abgebaut. Doch ein kleines Pflänzchen blüht noch. Im Sommer lassen die Bogenschützen der BSG Bad Pyrmont hier ihre Pfeile fliegen.

Besserung in Sicht? Wohl kaum. Die Zahl der Fußballvereine wird in den kommenden Jahren weiter sinken und somit der eine oder andere Sportplätze ebenfalls in eine Brachfläche umgewandelt ...

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