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Zahl der Wohnungseinbrüche gestiegen / Polizei will Kampf gegen Täter forcieren

Kriminalstatistik: 127 Einbrecher geschnappt

HAMELN/HOLZMINDEN. Die heimische Polizei hat in den vergangenen Jahren mit einem Bündel von verdeckten und offenen Maßnahmen versucht, Einbrecher abzuschrecken oder zu fassen. Dennoch sind die Fallzahlen in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden (nach einem Rückgang im Vorjahr) um 29 Wohnungseinbrüche auf 350 Straftaten (plus 9,03 Prozent) gestiegen.

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

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Im Zehn-Jahres-Vergleich bewege sich diese Zahl leider auf einem hohen Niveau, sagte der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD), Polizeioberrat Jens Kozik, am Freitag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. Dabei hat die Polizei Einbrechern schon frühzeitig den Kampf angesagt. Schon anderthalb Jahre bevor die Polizeidirektion Göttingen im Januar 2017 eine Koordinierungsstelle „Eigentum“ präsentierte, wurde in Hameln eine Spezial-Ermittlungsgruppe eingesetzt, die seitdem sämtliche Fälle analysiert und mit überregional verübten Delikten abgleicht. Auf diese Weise sollen rasch Tatzusammenhänge erkannt und Erkenntnisse gewonnen werden. Die Ermittler können Erfolge vorweisen –127 mutmaßliche Einbrecher konnten seit Juli 2015 geschnappt werden.

Die meisten mussten jedoch „mangels ausreichender Haftgründe“ wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Aber auch Sonderstreifen in Wohngebieten, in denen sich Einbrüche häufen, und sogenannte „Gebietspaten“ (das sind Polizisten, die sich um bestimmte Wohnviertel kümmern und den Kontakt mit Anwohnern halten), 300 individuelle Beratungen und 70 Informationsveranstaltungen zum Thema „Einbruchschutz“ konnten den Anstieg dieser Form des schweren Diebstahls nicht verhindern. Auch nicht die großangelegten Schwerpunktkontrollen, die durchschnittlich zweimal pro Monat – zum Teil mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei – inspektionsweit durchgeführt wurden. 600 verdächtige Autos seien gestoppt und 900 Personen, darunter auch „alte Bekannte“, überprüft worden, sagte ZKD-Chef Jens Kozik. Solche Sonderaktionen dienten „der Erkenntnisgewinnung über begangene und bevorstehende Taten“. Im Landkreis Hameln-Pyrmont wurden im vergangenen Jahr 261 Wohnungseinbrüche (plus 19) und im Nachbarkreis Holzminden noch weitere 89 Taten (plus 10) registriert. Zur Klarstellung: Einbrüche in Firmen, Fabrikhallen, Gaststätten, Kindergärten, Schulen, Seniorenheime oder Autos kommen noch hinzu. Das sind 1554 Fälle von schwerem Diebstahl. Die Anzahl dieser Taten geht allerdings zurück.

Wer weiß, wie sich die Zahlen entwickelt hätten, wenn die heimische Polizei nicht auf Repression, Information und Abschreckung gesetzt hätte. Immerhin: Die Aufklärungsquote in diesem Deliktbereich konnte von 22,43 Prozent im Vorjahr auf 24,57 Prozent im Jahr 2016 gesteigert werden. Sie liegt damit zwar über dem Landesschnitt (21,39 Prozent). Dennoch bleiben etwa drei von vier Taten ungeklärt.

Im Kampf gegen Einbrecher habe die Inspektion umfangreiche Anstrengungen unternommen, sagte der Leiter der Inspektion, Kriminaldirektor Ralf Leopold. Diese würden fortgesetzt. Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls solle forciert werden.
  


In dieser 10-Jahres-Statistik sind nur die Straftaten aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont (ohne Holzminden) verzeichnet. Quelle: Zentraler Kriminaldienst (ZKD) / Grafik: jöh

Im Jahr 2016 wurden in der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden 12703 Straftaten bearbeitet und an Staatsanwaltschaften abgegeben. Das sind 500 Delikte weniger als im Vorjahr (13 203 Taten) und entspricht einem Rückgang um 3,79 Prozent. Die Zahlen auf Landesebene sind im Vergleich 2015/2016 um 6507 Delikte (minus 1,14 Prozent) auf 561 963 Straftaten zurückgegangen. Einen moderaten Rückgang um 835 Taten (minus 1,04 Prozent auf 79092 Delikte) hat es in der Polizeidirektion Göttingen gegeben. Im Jahr 2016 konnten im Weserbergland 8746 der 12 703 Straftaten aufgeklärt werden. Das entspricht einer Aufklärungsquote von 68,85 Prozent. Keine Flächeninspektion in Niedersachsen ist erfolgreicher. Landesweit lag die Quote bei 61,41 Prozent.

Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik, die Leopold und Kozik am Freitag vorgestellt haben, zeigt, dass das Sicherheitsniveau in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden bei erheblich gesunkenen Fallzahlen und einer hohen Aufklärungsquote nach wie vor hoch ist. Allerdings wurden 2562 Menschen Opfer von Straftaten. Das waren vier mehr als im Vorjahr. „In der Gesamtbetrachtung stellen wir fest, dass sich unsere Anstrengungen der letzten Jahre auszahlen“, meinte Leopold. „Die Anzahl der Straftaten befindet sich in unserem Zuständigkeitsbereich mit 12703 Delikten auf dem niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Gleichseitig bewegt sich die Aufklärungsquote mit 68,85 Prozent auf einem konstant hohen Niveau und die Jugendkriminalität ist weiterhin rückläufig. Die Gefahr in unseren beiden Landkreisen Opfer einer Straftat zu werden ist niedriger als in anderen Teilen des Landes.“

Die Polizei stehe aber auch vor weiteren Herausforderungen, meint Oberrat Kozik. „Insbesondere in den Bereichen Wohnungseinbruchdiebstahl, Straftaten zum Nachteil älterer Menschen, Cybercrime und Radikalisierung haben wir uns während einer Arbeitstagung konzeptionell ergänzend und zum Teil neu aufgestellt.“ Dabei nehme die Verhinderung von Straftaten, einen großen Raum ein. „Wir werden - zum Beispiel bei der Ausländerkriminalität – verstärkt und gezielt täterorientiert ermitteln“, kündigt Kozik an.

Information

Kriminalitätsstatistik

Drogendelikte

Im vergangenen Jahr wurden in der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden 1030 Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz abschließend bearbeitet. Dies stellt den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre dar. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich liegt mit über 96,70 Prozent traditionell auf einem sehr hohen Niveau. Denn: Kontrolliert die Polizei oft, werden auch viele Taten aufgedeckt. Das bestätigt auch die Polizeiführung. Zurückzuführen seien die gestiegenen Fallzahlen nicht zwingend auf ein gesteigertes oder verändertes Konsumverhalten, sondern maßgeblich auf eine Schwerpunktsetzung der Polizei, die auch bereits im Vorjahr zu hohen Fallzahlen geführt habe, erklärt Oberrat Kozik. Typischerweise würden Rauschgiftdelikte nicht zur Anzeige gebracht, da in Drogengeschäfte nur „Täter“ involviert sind, die sich in der Regel nicht gegenseitig anzeigen. Der Anteil der Taten, der durch Dritte zur Anzeige gebracht wird, sei gering. Die Polizei will insbesondere Jugendliche vor einer Suchtkarriere bewahren. Deshalb wurden die Ermittlungen in diesem Bereich intensiviert. 173 der 883 Tatverdächtigen (im Vorjahr waren es 794) waren noch nicht volljährig. In zwei Fällen wurden Kinder geschnappt, der jüngste Verdächtige war erst zwölf. „Ziel der Intensivierung der Ermittlungsarbeit ist insbesondere das Erzielen präventiver Effekte“, sagt Kozik. Jugendliche Drogenkonsumenten sollen identifiziert werden, um ihnen rechtzeitig Hilfsangebote unterbreiten zu können. Beginnende „Drogenkarrieren“ sollen so früh wie möglich erkannt und gemeinsam mit anderen Präventionspartnern verhindert werden.

Die Anzahl aller durch Minderjährige begangenen Straftaten ist im vergangenen Jahr um 152 auf 867 gesunken. Dies stelle den niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre dar und bestätige einen generellen, über die Inspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden hinausgehenden Trend, sagte Polizeichef Leopold.

Mord und Totschlag

Die Anzahl der „Straftaten gegen das Leben“, also versuchter oder vollendeter Mord/Totschlag, ist im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr von elf Taten um eine auf zwölf Taten angestiegen. In drei Fällen wurde wegen Mordes oder versuchten Mordes ermittelt, in vier weiteren Fällen wegen Totschlags oder versuchten Totschlags. Aufsehen erregte ein Fall in Groß Berkel: Am 9. Januar wurde ein Senior (75) von seinem Bekannten erstochen. Wenige Tage zuvor war eine Frau (33) in Holzminden einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen.

Rohheitsdelikte

2071 Rohheitsdelikte (Körperverletzungen, Raub etc.) wurden bekannt. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 22 Taten mehr (plus 1,07 Prozent). Die Aufklärungsquote beträgt 92,47 Prozent.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Die Anzahl der Sexualdelikte ist von 134 um 29 Taten (plus 21,64 Prozent) auf 163 Delikte angestiegen. Zurückzuführen ist dieser Anstieg auf eine höhere Anzahl an Strafverfahren wegen

sexueller Nötigung (plus 16 Taten). Zudem werden immer mehr Verdächtige gefasst, die pornografische, insbesondere kinderpornografische Erzeugnisse (plus 16 Taten), verbreiten. Eine Ursache für den Anstieg der Fallzahlen im Deliktbereich „Kinderpornografie“ sieht die heimische Polizei in der immer professioneller betriebenen Bekämpfung dieser Taten. Die Aufklärungsquote beträgt 96,32 Prozent und liegt damit deutlich über dem Landesschnitt von 83,07 Prozent.

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